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TarmsTalk: Alternativen zum Diesel sind rar

CNG tanken eines Schleppers

Rund 2 Milliarden Liter Diesel verbrauchen deutsche Landwirte jedes Jahr. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft aufgefordert, den CO2-Fußabdruck zu senken. Das schreibt nicht nur das Klimaschutzgesetz vor, sondern mehr und mehr auch die Lebensmittelkonzerne wie Molkereien, die selbst verschiedene Maßnahmen zur Emissionsminderung ergreifen.

Interessant dabei ist, dass es in der Landwirtschaft schon heute sehr lukrative und wirtschaftliche Möglichkeiten gibt, Kraftstoff herzustellen. Das zeigte die sehr angeregte Diskussionsrunde des Landesverbandes Erneuerbare Energien zum Thema „Alternative Antriebe“ im Rahmen von TarmsTalk am Montag Nachmittag:

  • Die Schnackenberg GmbH aus Westertimke betreibt seit 2023 eine Biomethantankstelle. „Das Gas beziehen wir aus dem Netz und komprimieren es zu Bio-CNG“, sagt Magnus Sackmann. Mit dem Kraftstoff betanken die Landwirte sieben eigene Lkw, die landwirtschaftliche Güter transportieren. Das Besondere: Über eine Low-Fill-Funktion werden die Lkw über Nacht langsam betankt. Dadurch erwärmt sich das Gas nicht und kann sich entsprechend auch nicht ausdehnen. Auf diese Weise fasst ein Tank statt der üblichen 160 kg bis zu 190 kg, was die Reichweite der Lkw mit einer Tankfüllung von 550 auf 700 km ausdehnt.
  • Die HKL Biogas GmbH & Co. KG aus Eydelstedt (Landkreis Diepholz) verflüssigt Biomethan auf minus 150 °C und erzeugt damit Bio-LNG als Flüssigkraftstoff. „Dadurch erreichen wir eine 600-mal höhere Energiedichte als beim gasförmigen Biomethan“, erklärt Cord-Heinrich Heitzhausen, einer der drei Geschäftsführer. Betankt werden damit LNG-Lkw von Spediteuren aus der Umgebung, die mit dem Kraftstoff pro Tankfüllung auf Reichweiten von 1800 km kommen. Das Gas kommt von Biogasanlagen, die zu Clustern zusammengefasst werden. Sie erzeugen aus dem Rohgas Biomethan.
  • Christoph Pieper, Geschäftsführer der Clean Energy Conversion (CEC), berichtet von dem Grünen Wasserstoffpark Emsland. Dabei produziert ein Elektrolyseur aus Windstrom Wasserstoff, der ins Erdgasnetz eingespeist werden kann sowie eine Wasserstofftankstelle versorgt. Zudem gibt es eine Elektroladesäule für Lkw. Das dritte Projekt ist H2Agrar, ein Forschungsprojekt mit dem Hersteller Fendt, bei dem zwei Wasserstofftraktoren mit je 100 kW getestet werden. „Das sind Vorserienmodelle“, sagt Pieper.

Fraglich ist, ob sich diese Technologien auch für Landmaschinen eignen. „Dabei kommt es auch auf den Bedarf des Landwirts an Maschinen an. Im Vordergrund steht die Frage: Inwieweit beeinflusst eine alternative Antriebstechnologie den landwirtschaftlichen Prozess? Vieles aus der Lkw-Technologie passt dann nicht zur Landwirtschaft“, sagt Dr. Hartmut Matthes, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnunternehmen. Außerdem wird eine Alternative auch danach bewertet, ob der Händler und die Werkstatt vor Ort Technologie und Service dazu bieten können. Auch wenn die vorgestellten Alternativen interessant sind: Matthes sieht das größte Potenzial dagegen in flüssigen Kraftstoffen, die Diesel ersetzen können, wie Biodiesel oder HVO, also hydriertes Pflanzenöl. Das sei gerade bei den Erntemaschinen mit über 500 PS interessant. „Bei der Entwicklung von Alternativen müssen auch immer die Praxis mitbedenken“, fordert er. Noch gibt es keine Lösung für alle Leistungsklassen, stellten die vier Referenten heraus.

Weitere Informationen zu alternativen Antrieben, wie CNG, LNG, HVO und elektrischen Antrieben.