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Wenig Preisbewegung am Getreidemarkt – Gerstenernte verläuft positiv

Die Gerstenernte im Elbe-Weser-Dreieck ist weit fortgeschritten: Im Gebiet der Raisa eG sind rund 70–75 % gedroschen, bei Hansa Landhandel bereits 85 %. Jan Jürgens, Abteilungsleiter Futtermittel bei der Raisa, zeigte sich beim TarmsTalk zum Getreidemarkt vor der Ernte am Ausstellungsmontag zufrieden: „Wir sind mit der Qualität und den Erträgen in diesem Jahr sehr zufrieden.“ Die Erträge liegen zwischen 6 und 10 t/ha, Hektolitergewichte erreichen 64–75 kg – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr.

Auch bei Hansa Landhandel wurde die Gerste zu 85 % erfasst, erste Rapspartien sind ebenfalls geliefert. Geschäftsführer Jan Lahde bestätigt: „Wir haben in diesem Jahr eine sehr schwere und vor allem gesunde Gerste.“ Diese sei hervorragend für die Fütterung geeignet.

Landvolk-Kreisvorsitzender Alexander von Hammerstein weist jedoch kritisch auf die Folgen der Minderdüngung in roten Gebieten hin: „Wir müssen langfristig auswerten, ob die reduzierte Düngung Einfluss auf die Erntemenge und die Qualität hat.“

Marktlage und Preisentwicklung

„Die Notierungen sind aktuell relativ stabil und orientieren sich an der Matif in Paris“, sagte Lahde – allerdings auf niedrigem Niveau. Preisausschläge nach oben seien aber nicht ausgeschlossen, aber: „Wir spüren den außerordentlich starken Euro.“ Zudem verschärft sich der Wettbewerb durch Russland und die Ukraine, die zu jedem Preis liefern.

Jürgens betont, dass klassische Marktmechanismen kaum noch greifen: „Wir haben schon seit Jahren das Problem, dass Fundamentaldaten wie Angebot, Nachfrage, Wetter so gut wie ausgehebelt sind. Es dreht sich nur noch um das Marktumfeld, Politik, Trump, China und Russland. Und das sind Dinge, die wir alle nicht beeinflussen können.“ Daher rückt Risikomanagement stärker in den Fokus. Sein Rat: „Wir empfehlen unseren Landwirten immer, die Ernte in Teilmengen zu verkaufen: Ein Drittel vor der Ernte, ein Drittel in der Ernte und ein Drittel danach.“

Kontrakte und Flächenkonkurrenz

Kontrakte bleiben ein wichtiges Mittel zur Absicherung – besonders für Tierhalter: „Aktuell ist es für Schweine- und Rinderhalter sehr attraktiv, Kontrakte für Futtermittel abzuschließen“, so Lahde. Trotz attraktiver Preise im Winter wurden bei Getreide wenige Mengen zur Ernte 2025 kontraktiert. „Im Getreidebereich sind die Landwirte damit sehr zurückhaltend“, bestätigte von Hammerstein. „Im Futtermittelbereich läuft hingegen 90 Prozent über Kontrakte.“

Die Flächenkonkurrenz nimmt spürbar zu – vor allem durch Windkraft- und Solarprojekte. Hammerstein erkennt zunehmende Skepsis bei Freiflächen-PV: „Weil die Pachtverträge durch steuerliche Auflagen unattraktiver werden.“ Selbst bei reduziertem Maisanbau durch eine rückläufige Zahl an Biogasanlagen bleibt der Markt für Getreide aufnahmefähig. Lahde prognostiziert: „Aktuell erwarten wir eine Erntemenge an Getreide von 41 Mio. Tonnen. Vor 20 Jahren haben wir 9 Mio. Tonnen mehr geerntet.“ Diese Menge sei auch am Weltmarkt relevant. Er warnt davor, dass die regionale Versorgung und Ernährungssicherheit auf dem Spiel stehen könnte – auch vor dem Hintergrund des stetigen Flächenverbrauchs und durch die einschränkenden Maßnahmen durch die Düngerverordnung sowie die fehlenden Pflanzenschutzmittel im Kartoffel- und Zwiebelbereich.