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Bei der Talkrunde des Landesverbandes Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen drehte sich alles um Freiflächenphotovoltaik mit Fokus auf Agri-PV und Moor-PV. Im Mittelpunkt standen dabei drei Akteure: ein Energieunternehmen, ein landwirtschaftlicher Praxisbetrieb mit Deutschlands größter Mooranlage und der Blick des LEE.
David Lieske, Projektmanager für Agri-Photovoltaik (Agri-PV) beim Energieunternehmen Hoyer machte deutlich, warum sich das frühere Mineralölgeschäft des Unternehmens in Richtung erneuerbare Energie entwickelt. Hoya verstehe sich heute als Energiekonzern, sagte er. Das Familienunternehmen mit rund 2.800 Mitarbeitern wolle Teil der Energiewende sein. Für die Photovoltaik setzt Hoyer dabei auf einen Ansatz ohne direkte Konkurrenz zur Landwirtschaft. Man wolle nicht als Gegner der Betriebe auftreten, sondern gemeinsam mit den Landwirten Projekte entwickeln. „Wir sind immer als Gäste in der oberen Etage“ sei dabei der Grundsatz, so Lieske. Gemeint sind die aufgeständerten Solaranlangen, mit denen auf der Fläche Strom produziert wird. Darunter können Landwirte ackern oder Grünland bewirtschaften – ein Doppelnutzungskonzept.
Entscheidend sei, dass die Nutzung zum Betrieb passe und nicht übergestülpt werde. Gerade bei Agri-PV setze man auf ein Modell, das Landwirtschaft und Stromerzeugung zusammenbringt. Als Beispiel nannte er Kleegras als Eiweißfuttermittel unter der Anlage, das durch Teilbeschattung überhaupt erst sinnvoll möglich werde. Für Lieske ist das kein Kompromiss, sondern eine Verbesserung für beide Seiten.
Bei der Nutzung des Stroms selbst denkt Hoyer vor allem an Mobilität und Ladeinfrastruktur. Geplant seien unter anderem Solarparks mit Speicher und Ladeplätzen für Lkw. Zugleich könne der Strom auch für Kunden im Heizungsbereich interessant sein, etwa mit Blick auf Wärmepumpen. Auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren nannte Lieske vor allem Offenheit und Ehrlichkeit: „Vernünftig aufklären“, offen mit Bürgern, Politik und Verwaltung umgehen und alle mitnehmen.
Lars Kaper, Landwirt aus Varel im Landkreis Friesland, berichtete aus der Praxis eines Moor-PV-Projekts. Er und sein Mitstreiter hätten sich schon vor fünf Jahren mit einer Fläche entlang der Autobahn beschäftigt. Aus einem zunächst nicht definierten Streifen seien schließlich rund 50 Hektar Freiflächen-Photovoltaik auf wiedervernässten Moorböden geworden, dazu ein weiterer Hektar normale PV auf Nicht-Moorboden. Kaper beschrieb den Weg als lang und komplex. Zunächst habe man die trockenen Bedingungen schaffen müssen, um die Fläche überhaupt befahrbar zu machen. Dann seien Fragen zur Statik, zur Hydrologie und zur Wasserführung geklärt worden. Die Wiedervernässung sei parallel zum Bau umgesetzt worden. „Wiedervernässung bedeutet im Kern, die vorhandene Entwässerung zu unterbrechen“, erklärte er.
Warum auf der Fläche kein klassisches Agri-PV-Modell möglich war, begründete Kaper mit den Vorgaben des EEG. Auf kohlenstoffreichen Böden sei Photovoltaik nur mit Wiedervernässung zulässig. Gleichzeitig schließe diese Regelung Agri-PV dort aus. Für ihn ist das eine klare Entweder-oder-Logik. Auf der Moorfläche selbst setzt der Betrieb nach seinen Worten auf Schafe als Landschaftspfleger. Die Tiere würden den Aufwuchs kurz halten, wissenschaftlich begleitet durch die Tierärztliche Hochschule Hannover. Was zum Abbau von Hemmnissen führen könnte: Die Politik müsse die Rahmenbedingungen so setzen, dass Genehmigungsbehörden entscheiden können.
Carlos Kuhlmann vom Landesverband Erneuerbare Energien ordnete Moor-PV und Agri-PV in die größere Energie- und Flächenfrage ein. Er sieht in der Doppelnutzung einen sinnvollen Weg, um Wertschöpfung zu sichern und gleichzeitig die Klimafunktion der Moore wieder zu aktivieren.
Gleichzeitig machte er klar: Nur mit Moor-PV und Agri-PV werde Niedersachsen seine Ausbauziele nicht schaffen. Das Land will 65 Gigawatt Photovoltaik bis 2035 erreichen, davon 50 Gigawatt auf Dächern, versiegelten Flächen und bei Agri-PV sowie 15 Gigawatt auf Freiflächen. Neben Moor- und Agri-PV brauche es deshalb auch klassische Freiflächenanlagen.
Gleichzeitig sieht er Hürden. Zum einen seien die Projekte wegen der höheren Kosten und der komplexeren Umsetzung oft schwieriger umzusetzen als normale Freiflächenanlagen. Zum anderen gebe es nach wie vor Vorbehalte in Genehmigungsbehörden, auch in Niedersachsen. Das EEG sei zudem in Überarbeitung, was zusätzliche Unsicherheit bringe. Aus seiner Sicht braucht es deshalb klare Flächenkulissen, bessere Förderbedingungen und eine Landesraumordnung, die Flächen gezielt freihält. Bei den Erfolgsfaktoren nannte auch er die Ernsthaftigkeit: Photovoltaik müsse der Landwirtschaft wirklich dienen. Dann könne die Kombination aus Moor-PV, Agri-PV und klassischer Freifläche ein Baustein der Energiewende sein.
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