Tarmstedter Ausstellung: Das bewegt die Landwirte bei der Energiewende
Über 40 Aussteller zum Thema „Erneuerbare Energien“ waren auf der Tarmstedter Ausstellung vertreten. Wir haben ein Stimmungsbild eingeholt.
„Wir haben viele Gespräche mit Anlagenbetreibern geführt, es war eine sehr gute Messe für uns“, sagt Stefan Heins, Geschäftsführer von Biogas Service Tarmstedt (BST), rückblickend zu vier Tagen Tarmstedter Ausstellung. Die Firma war einer der fast 50 Aussteller zum Thema erneuerbaren Energien, die auf Norddeutschlands größter Regionalmesse vertreten waren. Eine kurze Abfrage von Stimmung und diskutierten Themen zeigte:
Viele Biogasanlagenbetreiber, die die Messe besucht haben, sind motiviert, die Anlage auch weiter zu führen. Als großes Problem schilderten viele Aussteller wie BST, MTE Service, energie + agrar, Kanadevia Innova usw. die Unsicherheit zu den Rahmenbedingungen. Dazu gehört die unsichere Lage beim Biomassepaket, das vor allem ein höheres Ausschreibungsvolumen ermöglichen und damit Anlagen eine Perspektive bieten soll, die nach 20 Jahren Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Anschlussregelung anstreben.
Aber auch die offene Lage bei der Gasnetzzugangsverordnung, die Ende 2025 außer Kraft tritt, sorgt für viele Fragen bei Betreibern, die auf die Biomethanproduktion umsteigen wollen, erklärten die Firmen Kanadevia Innova Biomethan oder Envitec Biogas.
Neben der Investitionen in die Flexibilisierung oder die Gasaufbereitung zur Biomethanproduktion sorgen neue Sicherheitsauflagen für zusätzliche Kosten.
Das Interesse an neuen Photovoltaikanlagen für den Eigenverbrauch ist weiterhin vorhanden, berichten Unternehmen wie Lampsplus oder EEG. Zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit und zur besseren Versorgung kommt vielfach ein Batteriespeicher dazu. Bei Ausstellern wie die Firma Inol war zu sehen, wie Photovoltaik und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge Hand in Hand gehen.
Adlersolar zeigte Möglichkeiten, wie auch Landwirte von einer Wärmepumpe profitieren oder Solarstrom im Stall nutzen können.
Viele Projektierer wie Abo Energy, EnBW, engie, Energiequelle, Energiekontor, Greenovative, Greenvolt, Landwind, reon oder wpd suchen weiterhin Flächen für Wind- und Solarparks. Auch sie planen immer häufiger größere Batteriespeicher mit ein.
Die Themen Repowering oder die Wasserstoffproduktion sind weiterhin ein Thema, u.a. bei Enertrag.
Als großes Problem beschreiben viele Firmenvertreter inzwischen den Netzanschluss. Er wird immer mehr zum Nadelöhr bei den Projekten.
Für mehr Akzeptanz sorgen Bürgersolaranlagen, wie sie z.B. die Firmen SR Erneuerbare Energien (einer Kooperation der Firmen EEG und der Stadtwerke Rotenburg) oder die Bürgersolarpark GmbH anbieten. Auch die INeG begleitet u.a. Bürgerenergieprojekte.
Gerade bei international tätigen Firmen wie Envitec Biogas oder European Energy Deutschland war zu erfahren, dass Dänemark in mehrfacher Hinsicht ein Vorbild für die Energiewende in Deutschland sein kann, u.a. mit einem hohen Anteil Windstrom im Netz, einer pragmatischen Lösung für Wärmenetze, E-Methanolproduktion aus CO2 und Wasserstoff usw.
Sollte das Solarpaket 1 verabschiedet werden, wird auch das Thema Agri-Photovoltaik einen Schub erhalten. Der Aussteller Wattmanufaktur sieht Agri-PV u.a. in Verbindung mit dem Ökolandbau als vielversprechend an.
Veranstaltungen wie die Tarmstedter Ausstellung bietet nicht nur Verbrauchern, Politikern, Landwirten und Firmen die Möglichkeit, sich zu informieren und ins Gespräch zu kommen. Über vertretene Institutionen wie dem Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE), der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, dem niedersächsischen Kompentenznetzwerk 3N oder der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist eine Vernetzung möglich.
Zudem haben mehrere Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen die Chance geboten, sich zu informieren und Probleme und Lösungen anzusprechen. Das Fazit nach vier Tagen: Die Energiewelt wird immer komplexer und komplizierter, die rechtlichen Rahmenbedingungen unübersichtlicher. Der Erfolg der Energiewende wird nicht zuletzt davon abhängen, ob Gesetze, Verordnungen usw. verständlich und verlässlich sind – für Investoren genauso wie für Privatkunden.