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Wie sieht die Landwirtschaft von morgen aus und welche Rolle spielen Frauen dabei? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Podiumsdiskussion „Zukunft gestalten – Unternehmerinnen in Agrarpolitik und Verbandsarbeit“ auf der Tarmstedter Ausstellung. Drei engagierte Frauen aus Landwirtschaft, Politik und Verbandsarbeit machten dabei deutlich: Frauen übernehmen Verantwortung, treiben Veränderungen voran und sind entscheidend für die Zukunft der Branche.
Auf dem Podium diskutierten Susanne Schulze Bockeloh, Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbandes, Barbara Otte-Kinast, Landtagsvizepräsidentin und ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsministerin, sowie Theresa Harke, junge Betriebsleiterin aus dem Landkreis Celle und Mitglied des Arbeitskreises Landwirtschaftliche Unternehmerinnen. Moderiert wurde die Runde von Wibke Langehenke.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie mehr Frauen für Führungsaufgaben in Landwirtschaft, Verbänden und Politik gewonnen werden können. Denn obwohl Frauen auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben längst unverzichtbare Verantwortung übernehmen, werden in Deutschland bislang nur rund elf Prozent der Höfe von Frauen geführt. Gleichzeitig steht in den kommenden Jahren auf vielen Betrieben ein Generationenwechsel bevor: eine große Chance, bestehende Rollenbilder aufzubrechen und Potenziale besser zu nutzen. „Die Herausforderungen sind riesig in der Landwirtschaft. Und wenn wir dann nicht alle Kompetenzen nutzen, die wir haben – auch die der top ausgebildeten Frauen –, dann verschenken wir Zukunft“, machte Susanne Schulze Bockeloh deutlich.
Dass Frauen heute selbstverständlicher Verantwortung übernehmen als früher, zeigte Theresa Harke anhand ihres eigenen Werdegangs. Für sie zählen trotz wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen klar die positiven Seiten: „Die Chancen überwiegen. Ich darf den Betrieb gestalten, ich kann mein Leben gestalten, und genau das motiviert mich.“ Gerade dieser Gestaltungswille sei wichtig, um die Landwirtschaft zukunftsfähig aufzustellen und junge Menschen für den Beruf zu begeistern.
Auch Barbara Otte-Kinast warb dafür, Frauen zu ermutigen, sich stärker in Politik und Ehrenamt einzubringen. Gute Rahmenbedingungen, gegenseitige Unterstützung und sichtbare Vorbilder seien entscheidend, damit mehr Frauen den Schritt in verantwortungsvolle Positionen wagen. „Wir Frauen müssen uns gegenseitig Mut machen. Wenn Frauen Verantwortung übernehmen, müssen sie andere Frauen ermutigen, ihren Weg ebenfalls zu gehen“, betonte sie. Gleichzeitig müsse sich auch das gesellschaftliche Verständnis weiterentwickeln: Familienaufgaben und ehrenamtliches Engagement seien gemeinsame Verantwortung.
Ein zentrales Thema der Diskussion war zudem das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Landwirtinnen 2026. Die Gesprächsteilnehmerinnen sehen darin weit mehr als ein symbolisches Zeichen. Es biete die Chance, die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft stärker sichtbar zu machen und konkrete Verbesserungen anzustoßen, etwa beim Mutterschutz für selbstständige Unternehmerinnen oder bei der stärkeren Beteiligung von Frauen in Verbänden und politischen Gremien. Dabei machte Susanne Schulze Bockeloh deutlich, dass Anerkennung allein nicht ausreiche: „Es reicht nicht mehr zu hören: ‚Ihr Frauen seid großartig.‘ Wir wollen Chancen, wir wollen mitreden und wir wollen die Möglichkeit der Mitgestaltung.“
Einigkeit herrschte darüber, dass starke Netzwerke ein wesentlicher Schlüssel für mehr weibliche Beteiligung sind. Mentoring-Programme, Unternehmerinnen-Netzwerke und offene Verbandsstrukturen helfen dabei, Erfahrungen auszutauschen, gegenseitig Mut zu machen und neue Frauen für Ehrenamt und Interessenvertretung zu gewinnen. Denn wer die Landwirtschaft aktiv mitgestalten möchte, müsse sich einbringen – auf dem Betrieb ebenso wie in Politik und Verbänden.
Zum Abschluss richteten die Diskussionsteilnehmerinnen den Blick in die Zukunft. Ihr gemeinsamer Wunsch: mehr Vertrauen in die Landwirtschaft, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine Branche, in der Frauen und Männer selbstverständlich gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Landwirtschaft brauche Mut, Unternehmergeist, Innovationskraft und Zuversicht. Theresa Harke brachte diese Haltung zum Ende der Diskussion noch einmal auf den Punkt: „Mein Glas ist immer halb voll. Ich habe Lust darauf, dass es weitergeht.“
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