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Öffentlichkeitsarbeit: „Den Verbraucher richtig abholen“

Landwirtschaft ist teilweise kompliziert und komplex. Wie bringt man diese Themen Menschen näher, die nichts mit der Landwirtschaft am Hut haben und Themen wie Glyphosat, Mastschweinehaltung oder Gülleausbringung zunehmend kritisch gegenüberstehen? Hierfür hatten die drei Experten beim TarmsTalk der Niedersächsischen Landjugend unterschiedliche Rezepte:

  • Landwirt Sören Brase ist Agrarscout beim Forum Moderne Landwirtschaft: „Wir erklären Landwirtschaft da, wo sich Verbraucher normalerweise aufhalten: In Fußgängerzonen der Städte oder Verbrauchermessen. Die Resonanz ist positiv. Selbst, wenn man nicht einer Meinung ist, kann man sich trotzdem unterhalten und wird akzeptiert.
  • Nele Elisabeth Brockmann ist Landwirtin und Agrarbloggerin. Sie hat den Betrieb mit Sauenhaltung, Biogasanlage und Stärkekartoffelanbau dieses Jahr übernommen: „Ich hatte vor neun Jahren mal bei Instagram Fotos vom Heuwenden gepostet. Das kam so gut an, dass ich in kurzer Zeit 2000 Follower hatte. Beim Posten von Social Media-Beiträgen kann ich vorher genau überlegen, was ich wie rüberbringen will. Das ist anders als beim direkten Gespräch. Gerade bei Betrieben mit Hofladen oder Direktvermarktung ist das sinnvoll. Aber man muss auch der Typ dafür sein und Lust haben, sich zu präsentieren. Meine Mutter informiert regelmäßig unsere Feriengäste mit Hofbesichtigungen.“
  • Noa Kreimann von der Marketingagentur LAEND ist selbst Verbraucher und sieht die Landwirtschaft auch durch eine andere Brille: „Wir schalten Online-Werbung für landwirtschaftliche Direktvermarkter. Oft erreichen uns auch unsachliche und unbegründet kritische Kommentare. Demgegenüber stehen die Landwirte, die auch verschlossen und wenig kommunikativ sein können. Aber jeder Betrieb ist ein Unternehmen und sollte sich wie ein Handwerker präsentieren. Wir empfehlen den Schritt in die digitale Welt über Instagram oder Google.“

Wie man mit kritischen Kommentaren umgeht
Sowohl im direkten Gespräch als auch in den Sozialen Medien kommt es nicht selten zu kritischen Situationen und Missverständnissen. „Wichtig sind Akzeptanz, Kongruenz und Empathie“, sagt Brase und erklärt, wie das anzuwenden ist: „Dazu gehört, dem Gegenüber zuzuhören und nicht mit vorgefertigten Ideen ins Gespräch gehen. Gut sind Fragen wie ‚Was war denn heute auf Deinem Teller?‘ So kann man in ein konstruktives Gespräch kommen.“ Er rät dazu, ehrlich zu sein und nichts zu beschönigen.
Wichtig sind auch begleitende Informationen. „Wir müssen darauf achten, dass die Kinderbücher im Kindergarten kein verzerrtes Bild zeigen. Gut ist, dass sich der NDR als Radiosender sehr viel Mühe gibt, sachlich aufzuklären“, lobt Brockmann.
Brase macht Berufskollegen Mut: „Wir müssen uns selbstbewusst klar machen, dass wir gut ausgebildet sind und unseren Beruf mit Leidenschaft ausüben. Wem es nicht leicht fällt, zur Öffentlichkeitsarbeit seine Komfortzone zu verlassen, kann schon mal im Freundeskreis bzw. bei sich im Dorf anfangen, Verbraucher aufzuklären.“