Jetzt auch im Videoformat: Sechs TarmsTalk auf YouTube
Spannende Diskussionen, unterschiedliche Perspektiven und aktuelle Themen aus Landwirtschaft und ländlichem Raum: Auf dem YouTube-Kanal …

Nach einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung können Städte und Landkreise ihre Einnahmen aus erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln, wenn sie die Ausbauziele für Wind- und Solaranlagen erreichen. Besonders Kommunen in ländlichen Regionen, wie wir ja hier sind, können durch mehr Steuereinnahmen, mehr Arbeitsplätze und mehr Unternehmensansiedlungen gewinnen.
Marko Prietz, Landrat im Kreis Rotenburg-Wümme, bestätigt das. Er betont, dass bereits viele Biogasanlagen vorhanden sind und dass Windenergie künftig noch stärker zu Pacht, Gewerbesteuer und Akzeptanzabgaben beitragen wird.
Die Erneuerbaren seien für die kommunalen Finanzen wichtig, weil Landkreise und Gemeinden dringend auf zusätzliche Einnahmen angewiesen seien. Auch bei Arbeitsplätzen sieht er Chancen: Vom Tiefbau über Wegebaumaßnahmen bis hin zu Ansiedlungen energieintensiver Betriebe könne die Region profitieren.
Besonders wichtig ist ihm die Verbindung von Energiewende und Industrieansiedlung. Unternehmen siedelten sich dort an, wo günstige Energie verfügbar sei. Bei der Wärmewende beschreibt er ein Henne-Ei-Problem: Ohne gesicherte Abnehmer werde nicht investiert, ohne Investition kein Netz. Hinzu komme Unsicherheit durch wechselnde politische Vorgaben.
Er sieht den Standort Deutschland durch hohe Energie- und Produktionskosten unter Druck und fordert klarere Rahmenbedingungen für Investitionen in Erneuerbare und Eigennutzung vor Ort. Beim Netzausbau fordert er mehr Tempo. Überregionale Netze seien deutlich zu spät ausgebaut, Redispatch und Abregelungen belasteten die Energiewende. Zur Akzeptanz sagt er, dass die Bevölkerung im Landkreis insgesamt vergleichsweise ruhig reagiere. Größere Konflikte gebe es eher bei Freiflächen-Photovoltaik als bei Wind oder Netzausbau.
Oliver Moje, Samtgemeindebürgermeister aus Tarmstedt, sieht die Gewerbesteuer aus bestehenden Anlagen als einen wichtigen Faktor, der konkrete Projekte vor Ort ermögliche. Bei den geplanten zusätzlichen Anlagen betont er die enorme Dimension und den Wunsch nach möglichst starker direkter Beteiligung der Bevölkerung.
Er hält kommunale und bürgerschaftliche Beteiligungsmodelle für zentral, um Akzeptanz zu sichern und Wertschöpfung vor Ort zu halten. Gleichzeitig sieht er große technische Möglichkeiten: Die Region könnte sich theoretisch autark mit erneuerbaren Energien versorgen, wenn Netze, Speicher und rechtliche Rahmenbedingungen passen.
Das eigentliche Problem sei nicht die Technik, sondern der Netzanschluss und die Regulierung. Besonders störend sei, dass Speicher und Erzeugungsanlagen bei der Netzplanung oft doppelt belastet würden.
Kritisch bewertet er, dass vorhandene Windanlagen teilweise häufig abgeschaltet werden. Das gefährde die Akzeptanz der Energiewende stärker als die Frage Freileitung oder Erdkabel.
Sinjo Neitsch erläuterte ist als Kreuzungsmanager beim Stromnetzbetreiber Tennet tätig. Er koordiniert die Schnittstellen von Leitungsbau mit Straßen, Schienen, Wasserwegen und den zuständigen Infrastrukturbetreibern.
Seine Hauptaufgabe sei die vertragliche und praktische Abstimmung mit Kommunen und Betreibern, damit nach Bauarbeiten wieder alles ordnungsgemäß hergestellt werde.
Zum Thema Netzausbau macht er deutlich, dass Erdkabel zwar politisch attraktiv wirken, in der Praxis aber teuer, komplex und fehleranfällig seien. Freileitungen seien technisch ausgereifter, leichter zu warten und deutlich günstiger.
Er warnt davor, Projekte unnötig zu verkomplizieren, und plädiert für klare Grundsatzentscheidungen statt Mischlösungen.
Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverbandes Erneuerbare Energien in Niedersachsen/Bremen betonte, dass die Energiewende für Kommunen eine große wirtschaftliche Chance sei.
Die Wertschöpfungsstudie des LEE habe gezeigt, dass Kommunen tatsächlich profitieren können, wenn sie den Ausbau der Erneuerbaren aktiv gestalten. Sie sieht die Transformation des Energiesystems als Voraussetzung dafür, den Industriestandort Deutschland zu sichern.
Zur Wärmewende fordert sie Verlässlichkeit und klare politische Rahmenbedingungen. Bürger bräuchten Planungssicherheit, sonst entstehe Frust.
Wärmenetze seien aus ihrer Sicht ein zentraler Baustein, weil sie langfristige Versorgungssicherheit bieten – unabhängig davon, welche Quelle später im Einzelnen genutzt werde.
Sie kritisiert, dass Kommunen bei der Wärmeplanung oft zu wenig konkret geführt würden und die Menschen mit ihren Fragen allein gelassen würden.
Seit dem Jahr 2024 gibt es in Niedersachsen ein Beteiligungsgesetz. Projektierer können einen Vertrag nach § 6 EEG abschließen oder sie fallen unter die Pflicht, eine Akzeptanzabgabe zu zahlen – im Ergebnis fließen 0,2 ct/kWh in die Kassen der Gemeinde.
Mit dem Gesetz soll dafür gesorgt werden, dass für jedes neue Windrad oder jede größere Freiflächen-Photovoltaikanlage eine Abgabe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde an die jeweilige Gemeinde gezahlt wird.
Weyberg hält das Gesetz für praxistauglich und sieht darin einen wichtiger Hebel für Akzeptanz.
Gleichzeitig warnte sie vor zu hohen Kosten und zu komplizierten Auflagen für Windparkbetreiber, weil sich die wirtschaftliche Lage vieler Projekte verschlechtert habe.
Beim Netzausbau spricht sie sich für systemdienliche Lösungen aus: Strom solle möglichst vor Ort genutzt oder gespeichert werden, statt ihn einfach abzuregeln. Sie fordert mehr Digitalisierung im Netz und hält den Smart-Meter-Rollout für einen Schlüssel zur Energiewende. Beim Netzausbau plädiert sie dafür, dass es kein „Nähmaschinenvorgehen“ geben dürfte, mal Freileitung, mal Erdkabel.
Die Runde zeigt: Die Energiewende bietet den Kommunen echte Chancen bei Einnahmen, Arbeitsplätzen, Wärme und industrieller Entwicklung. Gleichzeitig bremsen Netzausbau, unklare Regeln, zu hohe Bürokratie und fehlende Planbarkeit viele Projekte aus. Deutlich wird auch: Akzeptanz entsteht vor allem dann, wenn Menschen direkt beteiligt werden und wenn die lokale Wertschöpfung sichtbar bleibt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen