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Wie gut ist die Landwirtschaft auf Krisen vorbereitet? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Tarms Talks der Land&Forst auf der Tarmstedter Ausstellung. Jörn Ehlers, Landvolk Vize-Präsident, Dr. Cord Stoyke, Abteilungsleiter im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und Gerald Dohme, ehemals DBV-Generalsekretär, jetzt Geschäftsführer der Schrader Gruppe sowie Oberstleutnant der Reserve, beleuchteten unter Moderation von Leonie Jost, Land&Forst, die Auswirkungen von Extremwetter, Cyberangriffen, geopolitischen Konflikten und Energieengpässen auf die heimische Landwirtschaft und waren sich einig: Die Resilienz der Branche muss weiter gestärkt werden.
Aus Sicht des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums haben sich die Risiken in den vergangenen Jahren verändert, erklärte Dr. Stoyke. Neben den Folgen des Klimawandels rückten insbesondere Cyberkriminalität, technische Ausfälle und geopolitische Spannungen stärker in den Fokus. Gleichzeitig betonte er, dass die Versorgungslage derzeit stabil sei: „Im Augenblick würde ich auf jeden Fall sagen: Ja“, antwortete er auf die Frage, ob die Landwirtschaft die Bevölkerung weiterhin mit Lebensmitteln versorgen könne. Voraussetzung seien jedoch funktionierende Energie- und Versorgungsstrukturen.
Deutlich eindringlicher fiel die Einschätzung von Gerald Dohme aus. Der ehemalige stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes sieht vor allem beim Krisenbewusstsein Nachholbedarf: „Wir machen uns zu wenig Gedanken. Bis heute weiß kein Haushalt, dass er ausreichend Wasser und Nahrungsmittel vorhalten sollte, wenn es einmal kritisch wird.“ Krisenvorsorge sei nicht allein Aufgabe des Staates oder der Bundeswehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Auch die Landwirtschaft selbst müsse vorbereitet sein. Gerade Tierhaltungsbetriebe seien auf eine zuverlässige Strom- und Wasserversorgung angewiesen. Zwar seien viele Betriebe mit Notstromaggregaten gut ausgestattet, langfristige Krisen könnten jedoch neue Herausforderungen mit sich bringen. „Ich glaube, es ist gut, wenn man einen Landwirt im Freundeskreis hat“, sagte Jörn Ehlers mit Blick auf die hohe Improvisationsfähigkeit und den starken Zusammenhalt im ländlichen Raum. Gleichzeitig warnte er davor, regionale Strukturen weiter abzubauen. Kleine Schlachtbetriebe, regionale Bäckereien und funktionierende Versorgungsketten seien wichtige Bausteine einer krisenfesten Lebensmittelversorgung.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Bedeutung von Wissen und praktischen Fähigkeiten. Viele Kompetenzen im Umgang mit Lebensmitteln und deren Verarbeitung seien in der Gesellschaft verloren gegangen. „Viel mehr hilft uns, wenn wir Kompetenzen erhalten, um in der Krise die Dinge lokal anwenden zu können, und nicht darauf warten, dass der Staat das Problem löst“, lautete ein Appell Gerald Dohme.
Zum Abschluss formulierten die Diskutanten ihre Wünsche für eine widerstandsfähigere Landwirtschaft. Genannt wurden unter anderem eine dezentrale und unbürokratische Energieversorgung, mehr gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung der Landwirtschaft sowie die Stärkung regionaler Kreisläufe. „Es ist wichtig, die lokalen Kreisläufe zu stärken, dort, wo sie noch vorhanden sind, und sie wieder auszubauen, wo es möglich ist“, fasste Jörn Ehlers abschließend zusammen.
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