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Biogas: Wärmenetze bleiben interessant – trotz Wärmepumpenboom

Wärmenetze können auch in einer weniger stark besiedelten Region wie dem Landkreis Verden sinnvoll sein, sagte Arne Jacobs, Bürgermeister der Gemeinde Kirchlinteln, bei der LEE-TarmsTalk-Runde zum Thema “Wärmenetze”. „Bereits 10 % der Haushalte sind an ein Wärmenetz angeschlossen“, sagte er. Wärmenetze würde immer da entstehen, wo Unternehmer den Wärmeverkauf vor Ort als Standbein erkennen.

Jacobs berichtete, dass sich Kirchlinteln im Landkreis mit fünf weiteren Gemeinden zusammengeschlossen hat, um die kommunale Wärmeplanung im Konvoi abzuschließen. Begleitet wird der Prozess von der Klimaschutz- und Energieagentur des Landkreises Verden. „Damit muss nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden“; betonte er. Biogasanlagen werden als potenzielle Wärmequellen einbezogen.

Transparente Planung wichtig

Wilhelm Heerdes ist Geschäftsführer der Wärmenetz Emmen GmbH aus Hankensbüttel. Die Gesellschaft betreibt ein Nahwärmenetz zur Versorgung von ca. 280 Haushalten und Gewerbebetrieben. Das Wärmenetz wird von mehreren BHKW versorgt, die mit Biogas von verschiedenen Anlagen in Hankensbüttel-Emmen betrieben werden. Zur Abdeckung von Lastspitzen und bei Notfällen gibt es zusätzlich einen Hackschnitzelheizkessel. „Die Wirtschaftlichkeit einer Wärmeversorgung in einer dünn besiedelten Region ist immer eine Herausforderung“, sagte Heerdes. Entscheidend sei eine transparente Planung im Zusammenspiel mit Verwaltung und Politik vor Ort.

Zeitdruck bis 2028

„Wichtig ist, dass die Biogasanlage in räumlicher Nähe zu einer Wärmequelle steht. Wenn das nicht der Fall ist, muss das Gas durch eine Leitung zu einem BHKW geleitet werden“, erklärte Björn Wrage von dem Unternehmen Biogas Service Tarmstedt. Gerade für Post-EEG-Anlagen sei der Wärmeverkauf essenziell für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb. „Der Verkaufspreis sollte schon zweistellig sein“, riet er.  Er empfahl, möglichst frühzeitig mit potenziellen Wärmeabnehmern Kontakt aufzunehmen. „Es gibt jetzt einen gewissen Zeitdruck, da kleinere Gemeinden bis 2028 ihre Wärmeplanung abgeschlossen haben müssen. Auch danach ist sicherlich noch etwas möglich, aber in den nächsten zwei Jahren gibt es einen besonderen Fokus“, ergänzte Bürgermeister Jacobs.

Verschiedene Wärmequellen

In Niedersachsen gibt es neben der Bioenergie weitere Wärmequellen für die Nahwärmeversorgung, berichtete Joost Kuhlenkamp, beim Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Niedersachsen/Bremen zuständiger Referent für Bioenergie und Wärme.  „Dazu gehören die Wind- und Solarenergie. Vor allem die Windenergie kann man über Wärmepumpen und sonstige Systemdienstleistungen für die Wärmenetzversorgung nutzen“, schilderte er. Ein großes Thema sei die Nutzung von Überschussstrom aus Anlagen, die bei Netzüberlastung abgeschaltet würden. Damit könne sehr günstig Wärme erzeugt werden. Das gut erschlossene Erdgasnetz könne zukünftig auch für Biomethan und andere erneuerbare Gase genutzt werden.

Ein Wärmenetz bietet vor Ort die Chance zu mehr Wertschöpfung. „Anders, als beim Anschluss an ein Gasnetz kennt man den Betreiber persönlich. Wir sollten die Chance nutzen, eine klimafreundliche und krisenfeste Wärmeversorgung vor Ort aufzubauen“, appellierte Wrage am Schluss.