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Hohe Dieselpreise, aber auch ein möglicher Mehrerlös für Lebensmittel mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck fördern das Interesse an alternativen Antrieben in der Landwirtschaft.
Magnus Sackmann von der Schnackenberg GmbH aus Westertimke bei Tarmstedt berichtete über Praxiserfahrungen mit Bio-CNG als Kraftstoff. Das Unternehmen betreibt seit Jahren eine Biogasanlage und hat auch eine Agrar-Spedition mit sieben eigenen Lkw. Seit 2023 wurde die Flotte auf Iveco-Lkw mit Gasantrieb umgestellt. Außerdem wurde ein gasbetriebener Schlepper (New Holland T 6.180) angeschafft. Zum Betanken der Fahrzeuge hat das Unternehmen eine eigene CNG-Tankstelle. Im Oktober kommt eine eigene Gasaufbereitung dazu, um ein Teil des eigenen Biogases zu Biomethan aufzubereiten.
Während die Erfahrungen mit den Lkw positiv sind, zeichnete er beim Traktor ein differenziertes Bild: Für Transportarbeiten ist CNG gut nutzbar, schwere Bodenbearbeitung bleibt aber wegen des höheren Verbrauchs und der begrenzten Speichermenge problematisch. Ein kg CNG entspricht 1 l Diesel. Werkseitig führt der Traktor 30 kg CNG mit, was in der Praxis zu wenig ist. Darum hat die Schnackenberg GmbH einen Zusatztank anfertigen lassen, der in der Fronthydraulik hängt. Insgesamt kann der Schlepper jetzt rund 150 kg CNG mitführen. Bei Transportarbeiten verbraucht der Schlepper etwa 11 kg/Stunde, bei schwerer Bodenbearbeitung dagegen 30 kg/Stunde.
CNG sei deshalb eine praxistaugliche Alternative, aber kein 1:1-Ersatz für Diesel in allen Anwendungen. LNG hält er für deutlich aufwendiger, vor allem wegen der Kühlung und Technik im Vergleich zu CNG.
Rainer Weie von Futtermischwagenhersteller Siloking berichtete, dass das Unternehmen seit zehn Jahren im auch elektrische Maschinen im Programm hat. Der Einsatz sei in der Landwirtschaft ideal, weil Fütterungs- und Ladezeiten sehr planbar seien. Daher sei der Einsatz von eigenem Solarstrom ideal: Das Fahrzeug kann tagsüber zwischen den Fütterungsterminen laden. Die größte Maschine hat 20 m3 Volumen mit zwei Schnecken. Der Akku hat eine Speicherkapazität von 88 kWh, eine Akkuladung reicht für vier volle Rationen a 8t. Die Maschinen sind Mischer ohne eigene Befüllung, weil eine Fräse zu viel Strom verbrauchen würde.
Zur Leistungsfähigkeit nennt Weye konkrete Verbrauchswerte. Beim klassischen Diesel-Futtermischwagen liege der Verbrauch je nach System bei etwa 1,5 bis 2,6 Litern Diesel pro Tonne fertiger Ration. Der E-Truck benötige rund 2,3 bis 2,5 kWh pro Tonne. Das Laden von 20 auf 80 Prozent dauere etwa sechs Stunden und passe damit gut in den Tagesablauf. Eine zusätzliche Nutzung als Netzspeicher hält er jedoch wegen der knappen Kapazität für kaum sinnvoll: Wer die Maschine für die Fütterung braucht, kann nicht beliebig Strom zwischenspeichern und gleichzeitig zuverlässig arbeiten. Eine Erweiterung mit Fräse sieht er derzeit ebenfalls nicht, weil das zu teuer wäre und Leistung kosten würde. Strom sei für seine Anwendung deshalb aktuell der einfachste und passendste Weg. Gas sei zwar grundsätzlich interessant, doch müssten Kunden dafür auch eine Tankstelle und eine gute Wiedervermarktungslösung mitdenken.
Joost Kuhlenkamp vom Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen ordnete die Rahmenbedingungen für Biomethan und CNG ein. Die Nutzung des eigenen Biogases im Fahrzeug sei möglich, aber nicht trivial: Mit einer geeigneten Aufbereitungstechnik muss das Biogas zu Biomethan aufbereitet werden. Außerdem sei eine passende Tankinfrastruktur nötig. Kuhlenkamp machte deutlich, dass solche Lösungen besonders dann sinnvoll sind, wenn ein ausreichend großer Fuhrpark oder weitere Absatzwege für das Biomethan vorhanden sind. Für einzelne kleinere Betriebe sei die Einstiegshürde oft hoch, auch wenn das Konzept technisch und wirtschaftlich grundsätzlich tragfähig sei.
Er hob hervor, dass Elektroanwendungen vor allem dort sinnvoll seien, wo Maschinen gut planbar eingesetzt werden können – etwa bei Futtermischwagen, Hofladern oder Radladern. Die Nutzung von überschüssigem Solarstrom sei dabei ein zentraler Vorteil. Einen Speicherbetrieb der Fahrzeugbatterien (bidirektionales Laden) hält er zwar theoretisch für denkbar, praktisch aber für schwierig, weil die eigentliche Arbeitsaufgabe Vorrang habe.
Unterm Strich zeigt die Diskussion: Alternative Antriebe sind in der Landwirtschaft technisch machbar, aber stark an den Einsatzfall gebunden. Elektro überzeugt dort, wo Arbeit, Ladefenster und Stromerzeugung gut planbar sind. CNG punktet vor allem bei Betrieben mit eigener Biogasbasis und Logistik. Beide Wege sind kein Allheilmittel, aber ernstzunehmende Bausteine für mehr Unabhängigkeit vom Diesel.
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