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76. Tarmstedter Ausstellung eröffnet: Macherinnen und Unternehmerinnen prägen den ländlichen Raum

Im Festzelt der 76. Tarmstedter Ausstellung während der Eröffnungsfeier

Feierliche Eröffnung der größten Freilandausstellung Norddeutschlands

Mit einer feierlichen Veranstaltung ist am Freitag die 76. Tarmstedter Ausstellung eröffnet worden. Mehrere hundert Gäste aus Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft und Verbänden kamen dazu im Festzelt zusammen. Im Mittelpunkt der Eröffnung standen die Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe, wirtschaftliche Perspektiven für den ländlichen Raum und die Rolle von Frauen in Landwirtschaft und Unternehmertum.

Das Leitthema der diesjährigen Ausstellung lautet „Macherinnen und Unternehmerinnen im ländlichen Raum“. Durch das Programm führte erstmals die Landwirtin und Agrarwissenschaftlerin Maja Mogwitz. Als junge Hofnachfolgerin stellte sie zu Beginn zentrale Fragen zur Zukunft der Branche: Wie können landwirtschaftliche Betriebe wettbewerbsfähig bleiben? Wie lässt sich nachhaltiges Wirtschaften mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden? Und welche Rolle spielen Menschen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen?

„Fünfte Jahreszeit“ für die Region

Tarmstedts Bürgermeisterin Hella Rosenbrock bezeichnete die Ausstellung in ihrer Begrüßung als die „fünfte Jahreszeit“ der Region. Sie erinnerte an die Entwicklung von einer kleinen Landwirtschaftsschau im Jahr 1949 zur größten Freilandausstellung Norddeutschlands.

Die Veranstaltung sei nicht nur ein Treffpunkt der Landwirtschaft, sondern bringe Wirtschaft, Politik und Gesellschaft miteinander ins Gespräch. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen seien Orte wichtig, an denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, sagte Rosenbrock.

Ein Imagefilm gab anschließend einen Überblick über die Themen der Ausstellung. Dazu zählen unter anderem moderne Landtechnik, Tierhaltung, erneuerbare Energien, Digitalisierung, Ehrenamt und regionale Wirtschaft.

Menschen stehen im Mittelpunkt

Geschäftsführer Oliver Moje betonte im Gespräch mit Maja Mogwitz, dass die Ausstellung vor allem vom Engagement zahlreicher Beteiligter lebe. Seinen Geschäftsführerkollegen Hermann Cordes entschuldigte er krankheitsbedingt.

Seit mehr als 75 Jahren verbinde die Tarmstedter Ausstellung bewährte Strukturen mit neuen Entwicklungen. Neben Landtechnik und Tierzucht präsentierten sich innovative Unternehmen, Start-ups und regionale Handwerksbetriebe.

„Es sind nicht die Maschinen allein, sondern die Menschen dahinter, die diese Ausstellung mit Leben füllen“, sagte Moje. Die Verbindung aus Tradition und Innovation sei ein wesentliches Merkmal der Veranstaltung.

Politik fordert Planungssicherheit und weniger Bürokratie

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten Karin Logemann von der SPD, Eva Viehoff von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Marco Mohrmann von der CDU und der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Dr. Holger Hennies, über die Widerstandsfähigkeit des ländlichen Raums.

Unter dem Titel „Resilienz im ländlichen Raum. Energie, Ernährung, Wertschöpfung & Naherholung“ ging es unter anderem um Ernährungssicherheit, Energieversorgung, Infrastruktur und regionale Wirtschaftskreisläufe.

Karin Logemann hob die Bedeutung des ländlichen Raums für die Versorgung und Wertschöpfung hervor. Gleichzeitig benötigten Betriebe mehr Planungssicherheit und weniger bürokratische Hürden.

Auch Holger Hennies verwies auf erschwerte Investitionsbedingungen. Langwierige Genehmigungsverfahren beim Stallbau und bei Betriebserweiterungen hinderten insbesondere junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter daran, ihre Unternehmen weiterzuentwickeln.

Eva Viehoff sprach sich dafür aus, Natur- und Umweltschutz gemeinsam mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Landwirtschaft zu betrachten. Dafür sei ein kontinuierlicher Dialog zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft erforderlich.

Marco Mohrmann rückte die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln in den Mittelpunkt. Deutschland müsse dauerhaft in der Lage bleiben, einen wesentlichen Teil seiner Lebensmittel selbst zu produzieren. Dazu brauche es ein klares politisches Bekenntnis zur Landwirtschaft und mehr unternehmerischen Spielraum.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Investitionen, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine leistungsfähige Infrastruktur entscheidend für die weitere Entwicklung des ländlichen Raums sind.

Mehr Sichtbarkeit für Frauen in der Landwirtschaft

Die zweite Gesprächsrunde widmete sich dem Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Isabelle Pröstler, Landesvorsitzende der Niedersächsischen Landjugend, Elisabeth Brunkhorst, Vorsitzende des Niedersächsischen LandFrauenverbandes, und Vivien Ortmann von der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft sprachen über Verantwortung, Chancengleichheit und weibliche Vorbilder.

Isabelle Pröstler ermutigte insbesondere junge Menschen dazu, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Dafür müsse nicht von Beginn an alles perfekt sein. Entscheidend sei der Wille, etwas zu verändern.

Elisabeth Brunkhorst machte darauf aufmerksam, dass Frauen bereits heute in landwirtschaftlichen Betrieben, Familien und Ehrenämtern viel Verantwortung tragen. Neben Wertschätzung brauche es deshalb vor allem mehr Sichtbarkeit. Sie forderte außerdem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, finanzielle Unabhängigkeit und eine stärkere Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen.

Vivien Ortmann betonte die Bedeutung einer glaubwürdigen Kommunikation. Frauen könnten dazu beitragen, die Geschichten landwirtschaftlicher Betriebe authentisch zu erzählen und Verbraucherinnen und Verbraucher emotional zu erreichen.

Als zentrale Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung von Frauen nannten die Gesprächsteilnehmerinnen gute Netzwerke, sichtbare Vorbilder und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Unternehmergeist und regionale Wertschöpfung

In einer weiteren Gesprächsrunde standen innovative Geschäftsideen und regionale Wirtschaftskreisläufe im Mittelpunkt. Zu Gast waren Saskia Blümel, Finalistin des Ceres Awards als Unternehmerin des Jahres, Jürgen Brüning von der Marke „Worpsweder Perle“ und Stefan Heins vom Biogas Service Tarmstedt.

Saskia Blümel berichtete über die Weiterentwicklung des elterlichen Weihnachtsbaumbetriebs. Neue unternehmerische Wege einzuschlagen, erfordere Mut und Ausdauer.

Jürgen Brüning erläuterte, dass erfolgreiche Direktvermarktung nicht allein von der Qualität eines Produktes abhänge. Kundinnen und Kunden wollten zunehmend erfahren, wer hinter einem Produkt stehe und wie es hergestellt werde.

Stefan Heins nannte Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Sicherung von Fachkräften als zentrale Zukunftsthemen für sein Unternehmen. Bleiben Wissen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region, profitiere davon das gesamte Umfeld.

Die Gesprächsrunde machte zugleich deutlich, dass die Tarmstedter Ausstellung nicht nur dem Verkauf von Produkten und Maschinen dient. Sie bietet Unternehmen, Verbänden und landwirtschaftlichen Betrieben auch eine Plattform für Austausch, Kontakte und neue Ideen.

Wirtschaftlichkeit der Betriebe im Fokus

Ein weiterer Programmpunkt war das Gespräch zwischen top agrar-Chefredakteur Guido Höner und Stefanie Sabet, die seit September 2025 Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes ist.

Sabet verwies auf die Fortschritte, die landwirtschaftliche Betriebe bei Effizienz, Nachhaltigkeit und Tierwohl erreicht hätten. Nun müsse die wirtschaftliche Tragfähigkeit wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

„Wir brauchen Landwirtschaft in Deutschland. Sie ist die Grundlage unserer Versorgungssicherheit. Unsere Betriebe müssen wieder Geld verdienen können“, sagte Sabet.

Sie forderte faire Marktbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen, damit landwirtschaftliche Familienbetriebe investieren und langfristig planen können.

Mit Blick auf Frauen in der Landwirtschaft sprach sie sich für gleiche Chancen bei Betriebsübernahmen, dem Zugang zu Kapital sowie bei der Vereinbarkeit von Familie und unternehmerischer Verantwortung aus.

Ausstellung offiziell eröffnet

Den Schlusspunkt der Eröffnungsfeier setzte Landrat Marco Prietz. In seiner Rede hob er die Innovationskraft des ländlichen Raums und die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft hervor. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffneten zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Prietz appellierte zugleich an die Gäste, optimistisch auf bevorstehende Veränderungen zu blicken. „Begeisterung ist der Dünger für das Gehirn“, sagte er, bevor er die 76. Tarmstedter Ausstellung offiziell eröffnete.

Erster Teller Erbsensuppe geht an Masterrind

Zu den festen Traditionen der Eröffnung gehört die Übergabe des ersten Tellers Erbsensuppe. In diesem Jahr erhielt ihn Ralf Strassemeyer von der Masterrind.

Die Ausstellungsleitung würdigte damit die mehr als 40-jährige Zusammenarbeit mit der Rinderzuchtorganisation aus Verden.

Nach der Eröffnungsfeier machten sich die Ehrengäste zu einem Rundgang über das Gelände auf. An den vier Ausstellungstagen präsentieren sich rund um Landwirtschaft, Landtechnik, Tierzucht, Energie und ländlichen Raum zahlreiche Unternehmen, Organisationen und Verbände.

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