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Feierliche Eröffnung der größten Freilandausstellung Norddeutschlands: Ausblick auf vier Tage voller Innovationen, Austausch und Zukunftsperspektiven für Landwirtschaft und ländlichen Raum
Tarmstedt. Mit einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung ist heute die 76. Tarmstedter Ausstellung gestartet. Unter dem Leitthema „Macherinnen und Unternehmerinnen im ländlichen Raum“ kamen mehrere hundert Gäste aus Politik, Landwirtschaft, Wirtschaft und Verbänden im Festzelt zusammen. Im Mittelpunkt standen Menschen, die mit Ideen, Engagement und Unternehmergeist Verantwortung für den ländlichen Raum übernehmen.
Durch die Eröffnungsfeier führte erstmals die Landwirtin und Agrarwissenschaftlerin Maja Mogwitz. Als junge Hofnachfolgerin stellte sie gleich zu Beginn die Fragen in den Mittelpunkt, die viele Betriebe beschäftigen: „Wie können Betriebe zukunftsfähig bleiben? Wie gelingt nachhaltiges Wirtschaften? Und welche Rolle spielen dabei Unternehmerinnen und Unternehmer, die Verantwortung übernehmen?“
Anschließend begrüßte Bürgermeisterin Hella Rosenbrock die Gäste und bezeichnete die Tarmstedter Ausstellung als die „fünfte Jahreszeit“ der Region. Sie erinnerte an die Entwicklung der Messe von einer kleinen Landwirtschaftsschau im Jahr 1949 zur größten Freilandausstellung Norddeutschlands und betonte ihre Bedeutung als Treffpunkt für Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
„Die Tarmstedter Ausstellung ist ein Aushängeschild für unsere Gemeinde und für die gesamte Region. Gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen brauchen wir Orte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen“, sagte Rosenbrock.
Ein Imagefilm zeigte anschließend die Vielfalt der Ausstellung: von moderner Landtechnik über Tierhaltung und erneuerbare Energien bis hin zu Ehrenamt, Innovation und regionaler Wirtschaftskraft.
Geschäftsführer Oliver Moje: „Es sind die Menschen, die diese Ausstellung ausmachen“
Im Gespräch mit Moderatorin Maja Mogwitz machte Geschäftsführer Oliver Moje deutlich, dass der Erfolg der Tarmstedter Ausstellung vor allem auf dem Engagement vieler Menschen beruht. Gleichzeitig entschuldigte er seinen Geschäftsführerkollegen Hermann Cordes, der krankheitsbedingt nicht an der Eröffnung teilnehmen konnte.
Moje hob hervor, dass die Ausstellung seit mehr als 75 Jahren Bewährtes und Weiterentwicklung verbindet. Moderne Landtechnik, innovative Unternehmen, Start-ups und regionale Handwerksbetriebe sorgten jedes Jahr für neue Impulse.
„Es sind nicht die Maschinen allein, sondern die Menschen dahinter, die diese Ausstellung mit Leben füllen“, sagte Moje. Gerade die Verbindung aus Tradition und Innovation mache die Tarmstedter Ausstellung einzigartig.
Politik diskutiert über die Zukunft des ländlichen Raums
Die anschließende erste Gesprächsrunde widmete sich der Frage, wie widerstandsfähig der ländliche Raum gegenüber aktuellen Herausforderungen werden kann. Unter dem Titel „Resilienz im ländlichen Raum. Energie, Ernährung, Wertschöpfung & Naherholung“ diskutierten Karin Logemann (SPD), Eva Viehoff (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Marco Mohrmann (CDU) sowie der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Dr. Holger Hennies.
Karin Logemann betonte die zentrale Bedeutung des ländlichen Raums für Ernährungssicherheit, Energieversorgung und regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig brauche es mehr Planungssicherheit und weniger Bürokratie. „Jetzt ist die Chance, den ländlichen Raum zu stärken und auszubauen.“
Dr. Holger Hennies verwies auf fehlende Investitionsmöglichkeiten vieler Betriebe. Vor allem Genehmigungsverfahren beim Stallbau und bei Betriebserweiterungen bremsten notwendige Investitionen. „Wir müssen Freiräume schaffen, damit junge Leute investieren können.“
Eva Viehoff machte deutlich, dass Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung zusammen gedacht werden müssten. „Wir müssen sowohl die Natur schützen als auch die Landwirtschaft stärken.“ Voraussetzung sei ein kontinuierlicher Dialog zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Dr. Marco Mohrmann rückte die Ernährungssouveränität Deutschlands in den Mittelpunkt. Deutschland müsse langfristig in der Lage bleiben, die Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln zu versorgen. „Landwirte sollen produzieren können. Wir brauchen ein klares politisches Bekenntnis zur Landwirtschaft und zur Wertschöpfung im ländlichen Raum“, sagte Mohrmann und sprach sich für weniger Bürokratie und mehr unternehmerische Freiräume aus.
Einigkeit bestand darüber, dass Investitionen, Planungssicherheit und eine leistungsfähige Infrastruktur entscheidende Voraussetzungen für die Zukunft des ländlichen Raums sind.
Frauen gestalten den ländlichen Raum aktiv mit
Die zweite Gesprächsrunde stand ganz im Zeichen des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft.
Isabelle Pröstler, Landesvorsitzende der Niedersächsischen Landjugend, Elisabeth Brunkhorst, Vorsitzende des Niedersächsischen LandFrauenverbandes, und Vivien Ortmann von der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft diskutierten über die Rolle von Frauen im ländlichen Raum.
Isabelle Pröstler ermutigte insbesondere junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen: „Man muss nicht perfekt sein. Man muss einfach Lust haben, etwas zu verändern.“
Elisabeth Brunkhorst machte deutlich, dass Frauen bereits heute enorme Verantwortung in Betrieben, Familien und Ehrenämtern übernehmen. „Es geht nicht nur um Wertschätzung. Es geht vor allem um Sichtbarkeit.“ Gleichzeitig sprach sie sich für mehr finanzielle Unabhängigkeit von Frauen, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mehr Frauen in politischen Entscheidungspositionen aus.
Vivien Ortmann hob die Bedeutung authentischer Kommunikation hervor: „Gerade Frauen verfügen häufig über besondere Stärken, wenn es darum geht, die Geschichten hinter landwirtschaftlichen Betrieben authentisch zu erzählen und Verbraucherinnen und Verbraucher emotional zu erreichen.“
Das Fazit der Runde: Der ländliche Raum braucht starke Netzwerke, mehr weibliche Vorbilder und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Unternehmerinnen und Unternehmer setzen Impulse
In der dritten Talkrunde standen Unternehmergeist, Innovation und regionale Wertschöpfung im Mittelpunkt. Moderatorin Maja Mogwitz begrüßte Saskia Blümel, Finalistin des Ceres Awards als Unternehmerin des Jahres, Landwirt Jürgen Brüning von der Marke „Worpsweder Perle“ sowie Stefan Heins vom Biogas Service Tarmstedt (BST).
Saskia Blümel berichtete, wie sie den elterlichen Weihnachtsbaumbetrieb erfolgreich weiterentwickelt hat. Für sie seien Mut und Ausdauer die Grundlage unternehmerischen Erfolgs. „Den Mut zu haben, einen neuen Weg einzuschlagen, ist ein hartes Stück Brot, aber man schafft das.“
Jürgen Brüning machte deutlich, dass erfolgreiche Direktvermarktung weit mehr bedeute als hochwertige Produkte zu erzeugen. „Die Menschen kaufen heute nicht nur ein Produkt. Sie möchten wissen, wer dahintersteht.“
Stefan Heins stellte die Entwicklung von Biogas Service Tarmstedt vor. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Fachkräftesicherung seien die großen Zukunftsthemen seines Unternehmens. „Wenn wir Know-how, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region halten, profitieren am Ende alle davon“, sagte Heins.
Einigkeit bestand darüber, dass die Tarmstedter Ausstellung weit mehr als eine Verkaufsplattform ist. Sie bietet Raum für Austausch, Netzwerke und neue Ideen.
Landwirtschaft braucht wirtschaftliche Perspektiven
Ein weiterer Höhepunkt der Eröffnungsfeier war das Gespräch zwischen top agrar-Chefredakteur Guido Höner und Stefanie Sabet, seit September 2025 Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes.
Sabet betonte die großen Fortschritte der Landwirtschaft bei Effizienz, Nachhaltigkeit und Tierwohl. Nun müsse die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Betriebe wieder stärker in den Fokus rücken. „Wir brauchen Landwirtschaft in Deutschland. Sie ist die Grundlage unserer Versorgungssicherheit. Unsere Betriebe müssen wieder Geld verdienen können.“
Sie forderte faire Marktbedingungen und mehr politische Verlässlichkeit, damit landwirtschaftliche Familienbetriebe wieder mit Zuversicht investieren können.
Mit Blick auf das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft unterstrich sie die Bedeutung von Chancengleichheit. „Frauen gehören selbstverständlich zur Landwirtschaft. Entscheidend ist, dass sie die gleichen Chancen erhalten: bei Betriebsübernahmen, beim Zugang zu Kapital und bei der Vereinbarkeit von Familie und unternehmerischer Verantwortung.“
Landrat Marco Prietz eröffnet die Ausstellung
Den offiziellen Schlusspunkt setzte Landrat Marco Prietz. Er hob die Innovationskraft des ländlichen Raums, die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft sowie die Chancen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz hervor. Gleichzeitig appellierte er, optimistisch in die Zukunft zu blicken: „Begeisterung ist der Dünger für das Gehirn.“
Anschließend erklärte Prietz die 76. Tarmstedter Ausstellung offiziell für eröffnet.
Erster Teller Erbsensuppe
Der erste Teller Erbsensuppe, welcher traditionell zur Eröffnung der Tarmstedter Ausstellung dazugehört, ging in diesem Jahr an Ralf Strassemeyer von der Masterrind. Damit würdigte die Ausstellungsleitung das langjährige Engagement der Rindviehorganisation aus Verden für mehr als 40 Jahre gute Zusammenarbeit.
Mit dem traditionellen Rundgang über das Ausstellungsgelände endete die Eröffnungsfeier. Moderne Landtechnik, Tierzucht, erneuerbare Energien, Digitalisierung und persönliche Begegnungen machen die Tarmstedter Ausstellung erneut zu einem der wichtigsten Treffpunkte der norddeutschen Agrarbranche.
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