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Tarmstedter Gespräche: Immer mehr Auflagen für Landwirte – Das Maß ist voll!

Düngeverordnung, Cross-Compliance, HIT oder Antibiotika-Datenbank: Landwirte müssen immer mehr Auflagen erfüllen. „Die Regelungsdichte bringt Bauern an den Rand des Wahnsinns, viele sagen, mehr geht nicht“, ist Hartmut Schlepps überzeugt. Der Umweltreferent des Niedersächsischen Landvolkverbandes erklärte auf dem Land- und Forst-Forum bei den Tarmstedter Gesprächen am Freitag Nachmittag, dass aber auch andere Branchen viel dokumentieren müssten, z.B. Pflegekräfte in Krankenhäusern.

Er sieht einen Grund in der Ablehnung der Praktiker, dass sie in der Dokumentation keinen Sinn mehr sehen. Das führe zu Wut und Frustration. „Es ist auch schlimm, wenn ein Professor in einer Bundestagssitzung sagt: Wer heute keine Hoftorbilanz macht, ist in fünf Jahren nicht mehr dabei“, kritisierte Schlepps. Aber wer mache heute denn eine Hoftorbilanz? Viele Landwirte würden Belege nur einmal im Jahr an der Buchstelle abgeben. Das, was Wissenschaftler und Politiker über die Landwirtschaft zu wissen glauben und die Wirklichkeit klafften weit auseinander. „Die Verwaltung bekommt durch heutige EDV-Programme auch mehr Möglichkeiten, neue Auflagen zu kontrollieren und abzuarbeiten“, führte er weiter aus. Das würde die Frist für Meldungen auf einen Monat reduzieren. Aufgaben, die in Großbetrieben Controller machten, müssten die Landwirte neben ihrer Arbeit auch mitmachen. Die Entwicklung führe dazu, dass viele kleinere Betriebe aufgeben, befürchtet auch Rudolf Heins, Landwirt und Kreislandvolkvorsitzender im Landkreis Rotenburg. „Wir würden ja viele Auflagen auch erfüllen, wenn man uns den lassen würde“, kritisierte er. So würden viele Berufskollegen zum Bau von neuen Güllelagern keine Baugenehmigung bekommen. Dazu kommen Betriebsaufgaben von Nebenerwerbslandwirten, die sich bei der zunehmenden Ausbreitung von Wölfen nicht mehr trauen, ihre Tiere nachts auf der Weide zu halten.

„Es gibt nur wenige schwarze Schafe in der Landwirtschaft. Die neuen Auflagen und Gesetze treten auch die vielen guten Betriebe vor das Schienbein“, ergänzte Ralf Schomacker, Geschäftsführer des Maschinenringes Zeven.

Schlepps mahnte die Politik: „Anstatt jetzt schon wieder an neuen Auflagen zu arbeiten, sollte man uns jetzt das bestehende erstmal umsetzen lassen und dann in 5 bis 8 Jahren schauen, wo wir dann stehen.“