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„Wir lassen die Landwirte nicht allein!“

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast fordert Nachbesserungen bei der künftigen Agrarförderung und bereitet Landwirte auf Veränderungen vor.

 

Ob Nährstoffmanagement, Weiterentwicklung der Nutztierhaltung oder Ausgestaltung der EU-Agrarförderung nach 2021: Die Landwirtschaftspolitik hat derzeit eine ganze Reihe von Arbeitsfeldern, an denen sie arbeitet. Das sagte die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in ihrer Festrede anlässlich der Eröffnungsfeier bei der 70. Tarmstedter Ausstellung, zu deren Beginn sie vor 800 Zuhörern klarstellte: „Diese Landesregierung steht zur Landwirtschaft und zum ländlichen Raum.“

Für die Macher der Tarmstedter Ausstellung hatte die Ministerin neben Glückwünschen auch ein dickes Lob dabei: „Sie machen das großartig!“ Die Ausstellung sei mit ihren 70 Jahren beileibe keine alten Dame, sondern eine „ewig Junggebliebene“. Und das damalige Ziel der Begründer der Tarmstedter Ausstellung, nämlich den ländlichen Raum zu stärken, sei identisch mit dem, was das Landwirtschaftsministerium heute verfolge. Das Messekonzept mit der Kombination von Vielfalt und Modernität sowie mit einem ständigen Dialog von Landwirtschaft und Verbraucher sei ein Erfolgsmodell, das Otte-Kinasts Politikansatz sehr entgegenkomme.

Die Reduzierung der Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft sei eine gewaltige Aufgabe, die zum Handeln auffordere: „Es ist zu viel Stickstoff und Phosphor im Kreislauf“, so die Ministerin. Eine nachhaltige Verbesserung sei unbedingt notwendig, man sei bereits erste Schritte gegangen. So soll die Verbringung von Nährstoffen aus dem Weser-Ems-Gebiet in die Ackerbauregionen des Landes vorangebracht, in Niedersachsen so genannte Risikogebiete ausgewiesen und die neue Düngeverordnung konsequent umgesetzt werden. Dazu gehöre auch eine effiziente Überwachung, um auffällige Betriebe zu identifizieren, was aber auch die Betriebe schütze, die sich an die gute fachliche Praxis hielten.

Das Land werde bei dieser Aufgabe mit Forschung, Förderung und Beratung unterstützen: „Wir werden die Landwirtschaft damit nicht allein lassen, erwarten aber auch von den Landwirten, dass sie einen Teil zur Problemlösung beitragen“, sagte Otte-Kinast, die mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb im Raum Hameln-Pyrmont bewirtschaftet.

Die Verbesserung der Bedingungen in der Nutztierhaltung sei ein ausdrückliches Ziel der Landesregierung, das Agrarland Niedersachsen sei da auch in einer besonderen Verantwortung und die Politik hier besonders gefordert. Denn die aktuellen Erzeugerpreise ließen den Betrieben selbst derzeit nur wenig Spielraum für Verbesserungen.

Auch wenn die niedersächsische Landwirtschaftspolitik nicht im luftleeren Raum agiere, weil Vorgaben vom Bund und Europäischer Union umgesetzt werden müssen, stellte Otte-Kinast klar: „Landwirtschaft ist Wirtschaft. Und wir sind stolz, dass wir diese Wirtschaft in Niedersachsen haben. So war es immer - und so soll es bleiben.“

Pro Jahr fließen 760 Millionen Euro als Direktzahlungen sowie 160 Millionen zur Förderung des ländlichen Raumes nach Niedersachsen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über die EU-Agrarförderung ab 2021 bekräftigte Otte-Kinast, dass die Landesregierung für einen starken EU-Agrarhaushalt kämpfe: Die Ansprüche an Umwelt- und Klimaschutz würden steigen, die aktuellen Vorschläge hätten aber eher den Anschein einer gemeinsamen Umweltpolitik statt einer gemeinsamen Agrarpolitik. Weniger Geld für die Landwirte und gleichzeitig zusätzliche Ansprüche – das passe so nicht zusammen, das werde man in Nachverhandlungen einfordern.

Hitze und Trockenheit hätten den Landwirten in vielen Regionen Niedersachsens in diesem Jahr arg zugesetzt, die Ertragserwartungen in Ackerbau- und Futterbaubetrieben seien deutlich gedämpft.

„Es liegt viel Arbeit vor uns“, resümierte die Ministerin. Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft seien gleichermaßen gefordert. „Wir sind gewillt, das zu lösen.“ Dabei werde nicht alles so bleiben, wie es ist. Aber in Veränderungen steckten auch Chancen und die Landwirtschaft habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie darauf reagieren könne. „Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!“