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Nebenerwerb geht nicht nebenbei

Rund 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen werden im Nebenerwerb betrieben.

Diese 15 000 Höfe bewirtschaften ein Fünftel der landwirtschaftlichen Fläche in Niedersachsen und sind damit eine wichtige Säule der Landwirtschaft. Und die Betriebsleiter sind sehr vielfältig und mit Enthusiasmus dabei. Das zeigte die Diskussion im Gesprächsforum der Land & Forst am Samstag auf der Tarmstedter Ausstellung. Auf dem Podium diskutierten ein Legehennenhalter, ein Fleischrinderhalter und zwei Ackerbauern mit Diskussionsleiter Jan-Gerd Ahlers von der Land & Forst.

Wer im Nebenerwerb Landwirtschaft betreibt, braucht auf jeden Fall einen Arbeitgeber, der den Landwirten eine gewisse Flexibilität in der Arbeitszeit ermöglicht. Jörg Miesner aus Tarmstedt beispielsweise arbeitet als Landmaschinenschlosser bei einem ortsansässigen Landmaschinenhändler und kann auch schon mal bei seinen Mutterkühen der Rasse Limousin vorbeischauen, wenn es bei einer Geburt nicht vorangeht. Die Bewirtschaftung der Grünlandflächen und die Futterbergung erledigt er allerdings komplett nach Feierabend. Marc Weerts aus Detern hält 300 Legehennen in Mobilställen und arbeitet hauptberuflich auf zwei Milchviehbetrieben. Auch er kann in der Frühstückspause die Hühner raus lassen und kann schnell zur Stelle sein, wenn etwa Junghennen angeliefert werden. Beide betonten, dass diese Flexibilität enorm wichtig ist, um ihre Tiere gut zu betreuen.

Anders ist es bei den Ackerbauern. Sowohl Christian Mühlhausen aus Lippoldshausen (Landkreis Göttingen), Sprecher der Nebenerwerbslandwirte im niedersächsischen Landvolkverband, als auch Arndt Brammert-Schröder aus Altenmedingen (Landkreis Uelzen) lassen ihre Ackerflächen teilweise von einem anderen Landwirt bewirtschaften und hoben beide das vertrauensvolle Verhältnis zu ihrem Bewirtschafter hervor, ohne das eine Partnerschaft nicht funktioniert. Diese müssten viele Entscheidungen rund um Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz eigenständig treffen. Die Arbeitserledigung liege in den Händen der Bewirtschafter. Dennoch ist für beide eine fundierte Aus- und Weiterbildung wichtig. Christian Mühlhausen, studierter Forstingenieur, hat gerade die berufsbegleitende Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen. „Die Ausbildung ist beispielsweise auch Voraussetzung für die Teilnahme am Agrarinvestitionsförderprogramm“, betonte er. Und auch in Sachen Pflanzenschutz müssen Nebenerwerbslandwirte ihre Sachkunde nachweisen. „Als gelernter Landwirt schaffe ich beim Verbraucher auch Vertrauen“, sagte Hühnerhalter Marc Weerts.

Bei allem Idealismus und Rückhalt in der Familie, ohne den eine Landwirtschaft im Nebenerwerb nicht funktioniert, sollte die wirtschaftliche Seite nicht aus den Augen gelassen werden.

Rubrik: Landwirtschaft & Landtechnik
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Auf dem Podium der Land & Forst zum Thema Nebenerwerb (v. l.): Marc Weerts, Jörg Miesner, Moderator Jan-Gerd Ahlers, Christian Mühlhausen und Arndt Brammert-Schröder