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Klimaschutz und Artenschutz kein Widerspruch

Bei einer Podiumsdiskussion sprachen vier Experten darüber, wie Landwirte mit Blühpflanzen und anderen Maßnahmen für Biodiversität sorgen können, ohne finanzielle Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.

Klima- und Artenschutz ergänzen sich. Wichtig ist jedoch ein regelmäßiger Austausch und Interessenausgleich von Imkern, Jägern, Landwirten und Energieerzeugern. Zudem muss die Politik klare Ziele definieren, da es immer schwerer wird, alle Vorgaben wie eine möglichst umweltschonende Lebensmittelproduktion, Energieerzeugung, Tierwohl und Artenvielfalt gleichwertig unter einen Hut zu bekommen. Das ist das Fazit einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Tarmstedter Gespräche zum Thema „Artenvielfalt und Biodiversität in der Landwirtschaft“ am Sonntag auf dem Gemeinschaftsstand des Landesverbandes Erneuerbare Energien in Zelthalle 7.

Zur Lösung gibt es verschiedene Maßnahmen. Imker Heinrich Kersten aus Verden hat dazu eine Imkermischung initiiert. „Damit lässt sich das Nahrungsangebot für die Bienen und andere Insekten erweitern und die Winterverluste der Bienen reduzieren“, sagte Kersten.

Im Maisanbau kann der Mischanbau mit Feuer- oder Ackerbohnen hilfreich sein. „Wir dürfen aber nicht nur an Blühmischungen denken, sondern brauchen auch Saumstrukturen für das Niederwild“, ergänzte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft in Niedersachsen. Er könnte sich langfristig vorstellen, dass die Landwirtschaft zweigleisig fährt: Auf der einen Seite wird es die intensiv wirtschaftenden Betriebe geben, die Lebensmittel auf höchstem Niveau produzieren. Und dann wird es Betriebe geben, die gegen Zahlung Flächen für den Umwelt- und Naturschutz bewirtschaften und damit für einen Ausgleich sorgen.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kulturlandpflege, Hans-Heinrich Ehlen, stellte das Projekt „Fabian“ vor, das die Bingo-Umweltstiftung mit insgesamt 480.000 Euro unterstützt. Das Projekt „Förderung der Artenvielfalt und Biotopvernetzung in der Agrarlandschaft Niedersachsen“ (oder kurz FABiAN) hat die Bingo-Umweltstiftung anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums initiiert. Es unterstützt in drei ausgewählten Gemeinden Landwirte bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Vertragsnaturschutz und zur Biotopvernetzung. Insgesamt soll so eine Fläche von 150 Hektar über einen Zeitraum von drei Jahren für die Artenvielfalt aufgewertet und zugleich Perspektiven für Nachhaltigkeit entwickelt werden. „Es geht nicht nur um den Maisanbau, sondern auch um breitere Saatreihen in Getreidebeständen, Lerchenfenster in Beständen“, zählte Ehlen auf.

Biogasanlagenbetreiber Harald Hauschild von der BRAHA Bioenergie GmbH & Co. KG aus Seedorf bei Zeven beteiligt sich seit Jahren am Verein „Bunte Felder“. Mit der Initiative wollen Biogasanlagenbetreiber und Landwirte aus den Landkreisen Rotenburg/Wümme und Verden wieder für mehr Vielfalt auf den Äckern sorgen. „Wir haben die Mischung mit Jägern und Imkern weiterentwickelt“, sagte Hauschild. Er plädiert an Berufskollegen, 1 bis 3 % der Ackerfläche für Wildpflanzen oder andere Blühmischungen zu nutzen und so für mehr Artenvielfalt auf dem Acker zu nutzen.

Rubrik: Landwirtschaft & Landtechnik
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Landwirte, Imker und Jäger im Dialog (v.l.): Heinrich Kersten, Harald Hauschild, Hans-Heinrich Ehlen, Helmut Dammann-Tamke, Hinrich Neumann (Moderator).