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Digitale Technik liefert hilfreiche Daten für die Betriebe

Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft weiter als in jeder anderen Branche. In vielen Milchviehbetrieben ist der Melkroboter zu Hause, im Ackerbau werden mehr und mehr automatische Lenksysteme und Sensortechniken eingesetzt.

Der Einsatz von Lenksystemen und RTK-Technik (Real Time Kinematic) ist für das genaue Hacken im Körnermais unerlässlich. So lautet die Erfahrung von Jens Cordes, der in Stuckenborstel einen Demeter-Betrieb mit Ackerbau, Grünland und Rindermast bewirtschaftet. Auf einem Diskussionsforum der „Land &Forst“ im Rahmen der Tarmstedter Gespräche diskutierte Cordes am Freitagnachmittag mit anderen Fachleuten über das Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft.

Schon der Lohnunternehmer stellt Cordes die genauen Geodaten nach dem Maisdrillen zur Verfügung, damit er sie für die spätere Bearbeitung mit der Hackmaschine verwenden kann. „Man darf nicht nur die Investitionssumme für die Technik betrachten. Wir sparen bei der Aussaat rund zehn Prozent Saatgut und haben durch das Lenksystem unter zwei Prozent Hackverluste. Es gibt viele kleine Positionen, die in der Summe Zeit und Kosten sparen“, sagte der Landwirt. In der Innenwirtschaft nutzt er digitale Waagen, um das Gewicht seiner Tiere alle vier Wochen automatisch zu erfassen.

Carsten Lück aus Grasberg hält 240 Milchkühe, die von vier Melkrobotern gemolken werden. Beim Melken werden Milchmenge und -qualität jeder Kuh erfasst, über Transponder am Hals werden Bewegungs- und Wiederkauaktivität direkt an den PC gesendet. Die Daten helfen Lück, die Gesundheit seiner Kühe stets im Blick zu behalten. Alarmdaten, etwa, wenn ein Melkroboter ausfällt oder eine Kuh längere Zeit nicht zum Melken gegangen ist, werden direkt auf das Handy des Betriebsleiters geschickt. „Wir müssen 24 Stunden erreichbar sein. Das bedeutet auch, nachts aufzustehen, wenn ein Alarm gemeldet wird. Wenn ein Melkroboter über längere Zeit ausfällt, wird der Rhythmus der Herde empfindlich gestört“, berichtete Lück. Lück beurteilt die Daten, die ihm durch die Technik zur Verfügung gestellt werden, als sehr hilfreich. „Wir sind da langsam reingewachsen, als wir vor zwanzig Jahren den ersten Melkroboter angeschafft haben.

Dr. Harm Drücker von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg sieht ein wachsendes Interesse der Landwirte an digitaler Technik – sowohl für den Ackerbau als auch für die Innenwirtschaft. „Rund ein Drittel der Landwirte beschäftigen sich intensiver mit dem Thema“, schätzt Drücker. „Auch viele Lohnunternehmer denken über RTK- und Lenksysteme nach. Damit können sie genauer arbeiten und für die Landwirte auch eine Dokumentation der ausgeführten Arbeiten anbieten.“ Der Berater ist sich sicher, dass die Hersteller die Anwendungen und Verfahren schnell weiterentwickeln werden. „Wir müssen die vorhandenen Daten, beispielsweise die, die über Satelliten zur Verfügung gestellt werden, besser nutzen und in die betriebsrelevanten Entscheidungen einfließen lassen.“

Hilfreich wäre es, wenn die RTK-Signale in Niedersachsen kostenlos zur Verfügung gestellt würden, wie es beispielsweise in Bayern schon der Fall ist. Jens Cordes sieht durch die Digitalisierung große Chancen für eine Kooperation zwischen Lohnunternehmen und den landwirtschaftlichen Betrieben. So könnten auch die Betriebe von moderner Technik profitieren, ohne selber zu investieren. Als Beispiel nannte er die genaue Ausbringung von Festmist über Miststreuer mit Wiegestäben und gleichzeitiger Dokumentation der ausgebrachten Menge.

Das Fazit der Runde: Die Digitalisierung schafft Transparenz über die Arbeiten und Arbeitsgänge in der Landwirtschaft, und das ist für die Landwirte eine große Chance, Vertrauen bei den Verbrauchern zu gewinnen. Der Datenschutz darf dabei nicht aus den Augen verloren werden.

Rubrik: Landwirtschaft & Landtechnik
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Diskutierten bei den Tarmstedter Gesprächen über Digitalisierung in der Landwirtschaft (v. l.:) Dr. Harm Drücker, LWK Hannover, Carsten Lück, Milchviehhalter aus Grasberg, Jens Cordes, Ökolandwirt aus Stuckenborstel, und Cord Leymann, Redakteur bei der Land & Forst.