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Biogasanlagen sind Teil der Lösung um Nährstoffüberschüsse

Volles Haus bei den Tarmstedter Gesprächen der Land & Forst am Montagnachmittag am Stand der Maschinenringe: es ging um das Thema Nährstoffmanagement, das für viele Betriebe in der Region eine Herausforderung ist.

Die Landwirte haben die Verschärfung der Düngeverordnung von 2017 noch nicht ganz verdaut und sind noch mitten in der Umsetzung. Nun droht eine Nachschärfung, die den viehintensiven Landkreis Rotenburg, der zudem eine hohe Biogasdichte aufweist, hart treffen könnte. Auf dem Podium wurde über Lösungsansätze diskutiert.

„Im Durchschnitt fällt im Landkreis Rotenburg 172 kg Stickstoff je Hektar aus organischem Dünger an“, sagte Heinz Korte, Vorsitzender des Landvolks Bremervörde. Laut Düngeverordnung dürfen aber nur 170 kg N aus organischen Düngemitteln pro Hektar und Jahr ausgebracht werden. „Der Landkreis Rotenburg ist zu einem Überschuss-Exporteur für Gülle und Gärreste geworden“, so Korte. „Die Vermittlung fängt an zu greifen.“ Eine Schlüsselposition bei der Vermittlung nimmt der Maschinering ein, der die Partner, sprich den abgebenden und den aufnehmenden Betrieb, zusammenbringt. Und das auch über Landkreisgrenzen hinweg, teilweise über weite Strecken.

Gülle und Gärreste sind gefragt

„Wir setzen deutlich mehr Personal für die Vermittlung ein und arbeiten weiter daran, uns mit den Beratern besser zu vernetzen, auch über den Landkreis hinaus“, machte Ralf Schomaker vom Maschinenring Zeven deutlich. „Wir stellen bei den Ackerbauern eine steigende Nachfrage nach organischen Düngern fest. Vor allem da, wo mal Vieh gehalten wurde. Aber es ist eine kostspielige Lösung, wenn wir Gülle oder Gärreste 70 Kilometer just in Time auf den Acker liefern sollen.“ Es würde schon helfen, so Schomaker, wenn Gärreste in bestehenden Güllelagerstätten untergebracht werden dürften. Das ist derzeit nicht erlaubt, auch nicht als Zwischenlager. „Hier ist die Politik gefordert, denn Gülle und Gärreste sind sich in ihren physikalischen Eigenschaften sehr ähnlich“, brachte es Schomaker auf den Punkt.

Mehr Gülle in Biogasanlagen

Ein Projekt zu diesem Thema wird gerade im Landkreis Rotenburg gestartet. „Ich halte es für wichtig, dass wir bestehenden Lagerraum für Gärreste nutzen können, aber rechtlich ist das schwierig“, erklärte Ulrike Jungemann vom Landkreis Rotenburg. Denn diese Dinge würden über eine Bundesverordnung geregelt, und nicht alle Länder sehen eine Notwendigkeit, die bisherige Regelung zu ändern. Dennoch würden in dem Projekt die Behälter von Sachverständigen auf ihre Eignung als Lagerstätte für Gärreste geprüft. Ein weiteres Projekt im Landkreis, an dem 18 Biogasanlagen beteiligt sind, befasst sich mit dem vermehrten Einsatz von Gülle in Nawaro-Anlagen. Hier wird versucht, einen Teil des Maises gegen Gülle auszutauschen. „Biogasanlagen müssen und werden ein Teil der Lösung unseres Nährstoffproblems sein“, zeigte sich Korte überzeugt. Ob es allerdings zu einer Änderung des EEG in diesem Punkt kommt, sieht auch Jungemann skeptisch. „Eine Verlängerung der Einspeisevergütung nach dem EEG für die Anlagen, die statt Mais Wirtschaftsdünger einsetzen, wäre super. Aber politisch ist das wohl schwer durchzusetzen.“

Baugenehmigungen dauern lange

Landwirte, die heute einen neuen Stall bauen bzw. den Stall oder die Biogasanlage erweitern wollen, müssen in der Regel lange auf die Genehmigung warten. Die Genehmigung ist an Verwertungskonzepte für die anfallenden Wirtschaftsdünger gebunden, und die Prüfung kann sich hinziehen. „So ein Verwertungskonzept muss gut vorbereitet sein“, erklärte Sebastian Küwen von der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Bremervörde. „Bei der Prüfung kommt es auch auf den Einzelfall an.“ Durch das in Niedersachsen eingeführte Nährstoffkataster seien neue Prüfroutinen eingeführt worden, die länger dauern. Jetzt sollen die Prüfungen aber nach Aussage von Küwen schneller gehen.

Für die nächsten Jahre sieht Heinz Korte eine Riesenaufgabe auf die Beratung zukommen, wenn es zu einer Verschärfung der Düngeverordnung kommt. „Viele Betriebskonzepte werden überarbeitet werden müssen“, sagte er. Schon heute sei in Weser-Ems zu beobachten, dass die Schweinehalter ihre Bestände abstocken.  Das sei aber gerade für Milchviehhalter, die in neue Stallungen investiert haben, wirtschaftlich schwierig. „Wir brauchen schnell Klarheit, wie es mit der Düngeverordnung weitergeht und für welche Gebiete es eine Kürzung der Stickstoffobergrenze gibt.“

Wasserschutzberatung greift

Dass es auch mit einer weiteren Verschärfung der Düngeverordnung in den Gebieten mit hoher Nitratbelastung keine schnelle Änderung der Grundwasserbelastung geben kann, machte Volker Meyer vom Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land deutlich. Rund 170 Landwirte nehmen an dem Programm zur grundwasserschonenden Bewirtschaftung teil und bauen Zwischenfrüchte nach Getreide an oder säen im Mais Untersaaten an, um Stickstoffausträge ins Grundwasser zu vermeiden. „Es gibt derzeit eine große Nachfrage nach diesen Maßnahmen, aber die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel sind begrenzt“, so Meyer. Er sieht in der Beratung einen wichtigen Schlüssel, die Situation zu verbessern. „Die Reststickstoffmengen sind deutlich geringer geworden.“ Mit den Mitteln seien auch neue Techniken wie Strip Till oder Hacktechniken im Mais gefördert worden. „Wir bräuchten mehr Mittel, um noch mehr zu beraten“, forderte er.

Fazit

Die Diskussionsrunde zeigte, dass die Landwirte das Problem der Nährstoffüberschüsse im Kreis angehen und einerseits in neue Techniken investieren, die anfallenden organischen Dünger effizienter einzusetzen. Aber auch die Vermittlung auf Ackerbaustandorte ohne Tierhaltung ist gut angelaufen und wird noch investiert. Eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung würde aber viele Betriebe vor große Herausforderungen stellen, die auch in eine Abstockung der Tierbestände münden könnte. Eine Lösung wäre in den Augen der Diskussionsteilnehmer eine verstärkte Nutzung der Gülle in Biogasanlagen. Hierfür ist allerdings eine Änderung des EEG erforderlich.

Rubrik: Landwirtschaft & Landtechnik
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