Festrede Frau Prof. Dr. Claudia Kemfert:
Politik darf den Erneuerbaren Energien nicht die Luft abdrehen

DIW-Ökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert kritisiert EEG-Reform und fordert bessere Bedingungen für Kleinerzeuger

„Der Energiewende in Deutschland geht die Luft aus, die erneuerbaren Energien werden regelrecht abgewürgt“ - das sagte Prof. Dr. Claudia Kemfert den 800 Gästen der Eröffnungsfeier der 69.Tarmstedter Ausstellung. Die renommierte Ökonomin und Buchautorin kritisierte in ihrer Festrede zum Thema „Energiewende als Chance für die regionale Wirtschaft“ scharf die deutsche Politik, die beispielsweise mit der letzten Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) den Zubau von Solar- und Bioenergie nahezu zum Erliegen brachte.

Kemfert, die Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen ist und die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) leitet, verschwieg auch die Herausforderungen der Energiewende nicht: „Aus einigen wenigen großen Kraftwerken werden viele kleine: Dezentral, technisch vielfältig, intelligent miteinander verzahnt.“ Dafür sei ein effektives Lastenmanagement nötig, das Erzeuger, Verteilnetze und Speicherlösungen klug koordiniere. Das erfordere große Anstrengungen. 

Doch die Energieexpertin machte den Gästen auch Hoffnung: 2010 lag der Anteil der Erneuerbaren Energien bei 17 Prozent, heute bereits bei 30 Prozent des Strommixes, wenngleich die anvisierten 45 Prozent bis 2025 wohl sehr viel schwieriger zu erreichen sein würden. Aber die Energiewende böte enorme wirtschaftliche Chancen: „Wer klug ist, erschließt sich diese Zukunftsmärkte.“ Mittelständler, Stadtwerke und engagierte Bürger würden hier allesamt mehr unternehmerischen Mut und Geschäftssinn als „die großen Konzerne der alten Energiewelt“ zeigen. „Doch statt diesen Pioniergeist zu fördern und zu stärken, kommt aus der Politik nur heiße Luft“, kritisierte Kemfert und verwies auf die jüngste EEG-Reform.

Denn ausgerechnet für die günstige Windenergie an Land gibt es einen festen Ausbaudeckel, während die teure Windenergie auf See weiter ausgebaut wird. Und die Praxis der Ausschreibung von neuen Erneuerbare-Energien-Projekten führe dazu, dass die Kosten sich erhöhen und die Akteursvielfalt gemindert werde: Kleine, aber wichtige Investoren wie Bürgerenergiegenossenschaften hätten nicht die Kapitaldecke für teure Ausschreibungen mit ungewissem Ausgang. „Statt einem Energiesystem, von dem man sich schon vor Jahren bewusst verabschiedet hat, endgültig Adieu zu sagen, wird aus falscher Rücksichtnahme ein effizientes Fördersystem kaputt reguliert und eine vielversprechende Energiewende ausgebremst.“

Und mit Blick auf den Netzausbau mit neuen Stromautobahnen sagte die Wissenschaftlerin: „Wenn man konsequent Kohlestrom vermindern würde, sind längst nicht alle Übertragungsnetze notwendig, die derzeit gebaut werden.“

Kommunen seien die zentralen Akteure zur Umsetzung der Energiewende, auf der Tarmstedter Ausstellung könne man sich das sehr gut anschauen: „Hier sieht man eindrucksvoll, wie Energiewende geht.“ Die Kommunen profitierten dabei unter anderem von neuen Arbeitsplätzen und Wertschöpfung der Unternehmen. Paradebeispiel sei der Landkreis Rotenburg/Wümme, der bereits seit 2013 mehr als 100 % des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien erzeuge, vorwiegend aus Wind und Biogas.

 

 

Prof. Dr. Claudia Kemfert

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