Mit neuem Standbein aus der Krise?

Die Milchbauern stecken in der größten Krise seit Jahren. Viele Familienbetriebe stehen aktuell vor einer schweren Entscheidung: Raus aus der Milch - oder hin zu einer Alternative? Aber welche Alternativen gibt es - und wie können diese gestaltet werden? 

Sabine Hoppe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Elke Boggasch von der Arbeitsgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande Niedersachsen, Martina Warnken vom Huxfeldhof in Grasberg, Ralf Meyer vom Milchkontor Wilstedt und Manfred Schneider von der Bioland Vermarktungsgesellschaft haben sich im Rahmen der Tarmstedter Gespräche darüber ausgetauscht. Die einzelnen Standpunkte sind hier zusammengefasst:

Wie ein Milchviehbetrieb in die Direktvermarktung einsteigen kann, ist aus Birgit Hoppes Sicht nicht so leicht zu beantworten. Zwar dürfe jeder Landwirt Rohmilch ab Hof verkaufen, doch für richtige Konzepte müssen oft hohe Investitionen getätigt werden. Die Milchautomaten betrachtet sie mit großer Skepsis, denn diese dürfen nur in unmittelbarer Nähe des Hofes stehen - und dafür sei ein guter Standort unabdingbar.

Darüber hinaus gebe es jedoch viele weitere Möglichkeiten. Zum Beispiel die einer eigenen Molkerei. Es gebe schon eine Reihe an Milchbauern auf dem Markt, die ihre Produkte selbst verkaufen. Die Vorzugsbetriebe, die schon lang am Markt sind, haben sich ihren Markt geschaffen.

Sabine Hoppe rät auch Kunden davon ab und gibt realistische Rückmeldungen, wenn sie den Eindruck hat, dass die Idee nicht funktioniert. Das Produkt allein reicht nicht. Das Gesamtpaket muss stimmen - und dazu gehört, dass die Familie mitspielt.

Dass die Familie mit am selben Strang ziehen muss, bestätigte Ralf Meyer, der Landwirt und Eisproduzent aus Wilstedt. Bei den meisten Betrieben ist es eher ein Zubrot. Einzelne Ausnahmen können wohl von einer Alternative sprechen. Entscheidend dabei sei der Unternehmer. Der Mensch spielt die größte Rolle, ob er es Management beherrscht, ob er mit Menschen umgehen kann - alle Dinge, die in der klassischen Landwirtschaft nicht zwingend abgefragt werden.

Meyer meint: „Die meisten sind ja doch Landwirt aus Leidenschaft geworden.“ Wenn es dagegen  lediglich darum geht, Geld zu verdienen, dann macht es aus seiner Sicht keinen Sinn, zu investieren.

„Man muss Zeit übrig haben.“ betonte Hoppe. Ralf Meyer hatte mit seiner Idee einer Eisdiele in Wilstedt zunächst viel Überzeugungsarbeit leisten müssen - inzwischen hat er eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, und die sei wichtig für die Beziehung zu den Kunden.
2009 eröffnete er den neuen Betriebszweig, der seitdem bereits weiter ausgebaut wurde. Neben Eisspezialitäten verkauft das Milchkontor auch Frischmilch und Eis in Packungen für zu Hause. Mit seinem mobilen Eistresen hat der Landwirt es geschafft, sich bei den Kunden bekannt - und beliebt zu machen.

85 Kühe und 78 Hektar als reiner Futterbaubetrieb.

Etwa 40.000 Liter werden pro Jahr werden dabei lediglich in die Eisproduktion gesteckt. Die Idee ist nicht, die gesamte Milch zu verarbeiten. Die Idee dahinter war eher, sich unabhängig zu machen von dem allgemeinen Milchmarkt. Es hilft, doch man muss auch es etwa so wie einen neuen Betriebszweig betrachten. „Entweder richtig oder gar nicht“ so Meyer. Die Entscheidung wird von der ganzen Familie mitgetragen, so arbeiten die Ehefrau, die Eltern, der Schwiegervater, die Schwester und die Kinder mit. „Ohne eine Familie ist das nicht möglich. Man kann sich da nicht einfach so hinstellen und Eis verkaufen. Das Gesamtkonzept ist auch das, was die Gäste sehen wollen. Die sind sehr interessiert. Selbst wenn Kritik kommt - sehe ich das eher so, dass es den Dialog fördert - und das funktioniert super.“ erklärte der leidenschaftliche Eis-Produzent.

Aber auch weitere Themenschwerpunkte wurden besprochen. So unter anderem die Fleischerzeugung. Manfred Schneider von Bioland ist zuständig für Biologische Rohstoffe - Vieh und Fleisch. Getreide, Saatgut u.s.w. überwiegend in Schleswig Holstein. Es gebe derzeit einige Milchviehbetriebe, die auf die Fleischerzeugung umsteigen. Dabei sei der Trend der Ökologischen Erzeugung zu erkennen und verbraucherseits auch nachgefragt. Für ehemalige Milchviehbetriebe stelle das eine gute Alternative dar.

Für die Umstellung sollte ein Landwirt gute Vorarbeit leisten und für sich einige Fragen überdenken, wie zum Beispiel: Möchte ich direkt vermarkten - oder mit einen Vermarktungspartner wie zum Beispiel Bioland? Es gebe darüber verschiedene Möglichkeiten. Dabei empfahl er allen Zuhörern und Interessierten, Informationsveranstaltungen zu besuchen, die regelmäßig stattfinden und auf der Seite www.oeko-komp.de angekündigt werden.

Elke Boggasch von der Arbeitgemeinschaft Urlaub und Freizeit auf dem Lande hat die älteste Landesarbeitsgemeinschaft mit 16 Landwirte und Landfrauen gegründet. Von der Übernachtung mit Frühstück, Halb- oder Vollpension gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Tourismus auf dem eigenen Hof zu etablieren. Ferienwohnungen und Ferienhäuser auf den Betrieben, wie zum Beispiel Urlaub rund ums Pferd, Heuhotels, Wellness auf dem Land, Pauschalreisen mit Kohl- und Pinkeltouren oder Geschenkgutscheine „Champagner am Bauernbett“  oder das Thema „Mit Großeltern und Enkeln unterwegs“.

Es muss die ganze Familie dazu stehen, dann kann es mehr als nur ein Zubrot sein. Ob es vielleicht einfacher sei, neben einer Metropole wie Hamburg oder Bremen anzubieten, liege immer an der Persönlichkeit der Menschen auf dem Hof. Der Nebeneffekt dieser Angebote sei auch, dass dadurch allgemein Werbung für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum gemacht werde.

Als Vermieterin von Ferien- und Pferdewohnungen stand Frau Martina Warnken vom Huxfeldhof in Grasberg auf dem Podium. Inzwischen befinden sich 7 Ferienwohnungen auf dem Hof - natürlich sei es manchmal schwierig, wenn man den Standort nicht im Harz oder in der Heide hat. Gelegentlich müsse man sich verbiegen, um ausreichend Gäste anzuziehen. Durch einen Neubau erleben in jüngster Zeit immer mehr Großeltern mit ihren Enkeln Ferien auf dem Bauernhof - jeder Hof müsse auch schauen, wo seine Stärken liegen und welche Nische er bedienen kann.

Vor allem im Sommer, in den Herbstferien oder Weihnachtsferien ist auf dem Huxfeldhof viel los.

Die Gäste können mit in den Melkstand, oder mal eine Runde mit dem Traktor mitfahren.

Einhelliger Tenor aller Beteiligten auf dem Podium war, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, die wirtschaftliche Lage im Blick zu halten - und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Hoppe betonte, dass Krisen auch immer eine Zeit seien, sich zu orientieren: „Es ist immer gut, zu schauen, welcher Weg für mich richtig ist.“ Oft sei es sogar so, dass Landwirte schon länger mit dem Gedanken spielen, sich zu verändern - und dafür sei nun der richtige Zeitpunkt.

Agrarjournalist Hinrich Neumann moderierte die Diskussion.

 

 

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